Bislang bemühte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) um Optimismus, wenn es um die BER-Eröffnung ging. Das ist vorbei. Am Donnerstag äußerte sich der Senatschef und BER-Aufsichtsratsvorsitzende skeptisch, ob sich der Zeitplan halten lässt, wonach Berlins neuer Flughafen Ende nächsten Jahres eröffnen soll. „Ich schätze die Situation skeptisch ein“, sagte Müller in der Fragestunde des Abgeordnetenhauses. „Mit dem heutigen Stand kann ich nicht mehr ausschließen, dass wir mit der Eröffnung im Jahr 2018 landen.“

Ähnlich hatte sich Müller schon im April geäußert. Doch am Donnerstag machte er deutlich, dass die Chancen auf eine pünktliche Eröffnung dramatisch schwinden. Zuvor hatte der Tagesspiegel unter Berufung auf interne BER-Dokumente berichtet, dass der vor vier Wochen im Aufsichtsrat beschlossene Zeitplan hinfällig ist. Eine Eröffnung 2017 sei damit geplatzt. Doch tatsächlich ist sie wohl noch möglich – wenn sich die Genehmigungsbehörden flexibel zeigen.

„Obwohl es jeden Tag enger wird, 2017 zu fliegen, ist es immer noch möglich.“ (Müller am 22. April)

Seit Wochen diskutieren das Bauordnungsamt, das Eisenbahnbundesamt (EBA) und die Deutsche Bahn über die Anforderungen an die Entrauchung des Tiefbahnhofs unter dem BER-Terminal und der Terminalebene darüber.

Die Schnittstelle zwischen den beiden Bauwerken – technisch betrachtet bildet der Bahnhof nämlich keine Einheit mit dem BER – ist ein Problem bei der Entrauchungsplanung. Die Druckwelle der ein- und ausfahrenden Züge verursacht nämlich Luftwirbel, die schwer zu berechnen sind. Lange ignorierte die FBB diese Problematik, bis EBA und Bauordnungsamt darauf hinwiesen. Vorige Woche wurden die ersten Simulationen vorgelegt – offenbar mit positivem Ergebnis.

Doch die Berechnungen bilden nur den regulären Betrieb am Bahnhof ab, so wie er nach Fahrplan ablaufen sollte. Das EBA beharrt jedoch bislang darauf, dass die FBB auch den Nachweis erbringt, dass die Entrauchung bei einem Maximalszenario funktioniert, wenn mehrere Züge gleichzeitig in den Bahnhof einfahren. Die entsprechenden Simulationen liegen frühestens im Juni vor, die Genehmigung käme dann im Juli oder August – und das wäre zu spät.

Sachlich begründet ist diese Forderung offenbar nur bedingt. „In den nächsten Jahren, so lange die Dresdener Bahn nicht fertig ist, können gar nicht so viele Züge zum BER fahren, wie es das Maximalszenario vorsieht“, sagte Berlins Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup (SPD). Löse man es aus dem Genehmigungsverfahren heraus, könne alles ganz schnell gehen, und die Baugenehmigung könnte in wenigen Wochen erteilt werden.

„Ich kann nicht ausschließen, dass wir mit der Eröffnung im Jahr 2018 landen.“ (Müller am 26. Mai)

Das Kuriose ist: Es geht bei den Diskussionen längst nicht mehr um bauliche Änderungen des Flughafengebäudes oder der Entrauchungsanlage. Nach Informationen der Berliner Zeitung steht das verbliebene Baupensum weitestgehend fest. Unter Umständen müssen sich jedoch EBA und Bahn jedoch auf Auflagen einigen, etwa ein Tempolimit im Tunnel zum BER oder eine Beschränkung, wie viele Züge die Strecke nutzen dürfen.

Im Herbst können die Bauarbeiten wohl abgeschlossen werden. Dennoch muss die Genehmigung des Bauordnungsamts rasch vorliegen, damit es am Flughafen vorangeht. Dahinter steckt ein logistisches Problem: Hunderte Bausachverständige müssen das BER-Terminal begutachten, damit es vom Bauamt abgenommen werden kann. Die Koordinierung der Termine wird eine immense Herausforderung. Und dass Koordinationsprobleme den Flughafenbau bremsen können, hat sich in der Vergangenheit ja schon mehrfach gezeigt.