Berlin - Karsten H. gesteht im Stakkato. Ja, sagt der 22-Jährige in abgehakten Sätzen. Er habe gezündelt. In Mehrfamilienhäusern in Prenzlauer Berg und Weißensee. Er sagt, er wisse eigentlich nicht, warum er das getan habe. Oder vielleicht doch: Die letzte Tat, so erzählt es der Angeklagte, habe er begangen, um erwischt zu werden, um in den Knast geschickt zu werden, um sein Leben in den Griff zu bekommen.

Karsten H. ist Gebäudereiniger, den Beruf hat er in der Justizvollzugsanstalt in Plötzensee gelernt. Er nickt stets, wenn ihn der Vorsitzende Richter etwas zu seinen Rechten oder Pflichten erzählt. Das kennt er schon. Der junge Mann soll zwischen dem 27. Mai und dem 1. Juli des vergangenen Jahres fünf Brände gelegt haben. Immer will er zuvor eine Menge Alkohol und Drogen konsumiert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schwere Brandstiftung vor.

Kinderwagen angezündet

Das Feuer legte Karsten H. am Morgen des 27. Mai des vergangenen Jahres. Er kam von einer Party, hatte nach eigenen Angaben in einer Bar Alkohol für 300 Euro getrunken. In der Ahlbecker Straße in Prenzlauer Berg drang er in das Treppenhaus eines Gebäude ein, stapelte Werbeprospekte und Zeitungen an einem dort stehenden Kinderwagen und zündete den Stapel an.

Er sei selbst erschrocken gewesen, wie schnell die Flammen hochgeschlagen seien und auch den Kinderwagen erfasst hätte. Er habe noch versucht, das Feuer mit einer Flasche Wasser zu löschen. Als dies nicht gelang, klingelt er bei den Mietern Sturm, erzählte, dass er das Feuer zufällig bemerkt habe. Im Treppenhaus schlugen den Mietern da schon dicke, schwarze Rauchwolken entgegen, wie es einer der Zeugen später sagen wird. "Ich weiß bis heute nicht, warum ich diesen Brand gelegt habe. Mir war zwar ein bisschen kalt", sagt der Angeklagte. Er beendet den Satz nicht, zuckt nur mit den Schultern.

Sexuellen Missbrauch angedeutet

Tat Nummer zwei beging Karsten H. Mitte Juni. Aus Verärgerung über einen Mieter aus einem Haus in der Grazer Straße in Weißensee habe er eine Kinderdecke im Treppenhaus angezündet. Der Mieter, um den es geht, ist ein Bekannter des Angeklagten. Karsten H. sagt, der Mann habe ihm Geld geborgt und statt der Rückzahlung Sex von ihm verlangt. "Wegen der Geschichte mit meinem Vater bin ich echt sauer geworden", sagt der Angeklagte und deutet damit wohl einen sexuellen Missbrauch in seiner Kindheit an. Auch bei der Tat sei er betrunken gewesen.

Drei weitere Brandstiftungen beging der hagere junge Mann in nur einer Nacht. Zunächst legte er Feuer in einem Haus in der Sültstraße in Prenzlauer Berg. Er habe einem dort lebenden Mann Geld für einen Bordellbesuch geborgt, das Geld aber nicht zurückbekommen. Mit dem Feuer habe er den Mann erschrecken wollen.

Dann zog Karsten H. weiter in die Georg-Blank-Straße in Prenzlauer Berg, weil er glaubte, dass dort der Bruder jenes Mannes wohnen würde. Hier zündete er in den frühen Morgenstunden des 1. Juli eine Fußmatte an und floh. Warum der Angeklagte danach aber noch in ein Haus in der Erich-Weinert-Straße in Prenzlauer Berg ging?, will der Vorsitzende Richter wissen. "Weil ich keine Lust mehr hatte, auf der Straße zu leben. Ich wollte in den Knast", sagt Karsten H.

Ein Urteil fiel am Dienstag noch nicht.