Berlin - Als der Landesvorsitzende Frank Henkel Mitte Dezember in der Geschäftsstelle der CDU zerknirscht die Erklärung der Partei zum Rücktritt von Justiz- und Verbraucherschutzsenator Michael Braun verlas, der nach zwölf Tagen im Amt über seine Verwicklungen in dubiose Immobiliengeschäfte gestolpert war und damit Rot-Schwarz einen Fehlstart bescherte, stand Thomas Heilmann schweigend daneben. Dass er den Posten des Gefallenen wenige Wochen später übernehmen würde, ahnte er damals wohl nicht.

Am Dienstagabend informierte Frank Henkel seine Parteifreunde per SMS, dass Heilmann neuer Senator für Justiz und Verbraucherschutz werden soll. In einem Pressestatement erläuterte der Parteichef seine Wahl: „Thomas Heilmann ist eines der prägenden Gesichter der neuen CDU. Er bringt frische Ideen und alle fachlichen und persönlichen Voraussitzungen mit, um in diesem Amt erfolgreich zu sein.“ Der Regierende Bürgermeister sei informiert worden. Auf einem CDU-Parteitag am 9. Januar soll über die Personalie abgestimmt werden.

Es ist eine überraschende Auswahl, die auch viele in der Partei verwundert. Zwar ist Heilmann Volljurist, aber als Justiz- oder Verbraucherschutzexperte ist er bisher nicht aufgefallen. Der Unternehmer war nach der Wahl eher als Wirtschafts- oder Bildungssenator im Gespräch gewesen.

Das Gegenteil von Braun

Der 47-jährige Heilmann ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Braun, dem Strippenzieher, der für viele als Sinnbild der alten West-Berliner CDU galt. Thomas Heilmann ist kein Parteisoldat, hat nicht mal einen Ortsverein. Vor zwei Jahren, als Henkel Parteichef wurde, wurde Heilmann zu seinem Stellvertreter gewählt. Er war zuvor eher als Gründer der Werbeagentur Scholz & Friends bekannt, nicht so sehr als Politiker. Heilmann arbeitete sich ein, tourte durch Ortsvereine. Er war der Modernisierer, der der Partei neue Wählerschichten erschließen sollte. Er konzipierte den Wahlkampf – ausgerechnet mit Michael Braun, zu dem er auch nach dessen Rücktritt stand.