Köln - Drei Frauen wollen die Medien für Teenager bunter machen und haben dafür ein eigenes Online-Magazin gegründet: das „Brausemag“. Die Macherinnen Melanie Trommer, Kristin Lein und Sarah Rudolph richten sich mit ihrem Angebot an 12 bis 17-Jährige und sehen es als feministische Alternative zu Titeln wie der Bravo. Statt Schminktipps, „um den Boys zu gefallen“, sollen sich Mädchen und Jungen jenseits von stereotypen Rollenklischees wiederfinden. Wie sie sich das vorstellt, erklärt Mitherausgeberin Melanie Trommer im Interview. 

Sie wollen das erste deutsche feministische, antirassistische und inklusive Online-Magazin für Teenager zwischen 12 bis 17 Jahren sein. Was heißt das genau?

Melanie Trommer: Das heißt, dass wir die Vielfalt an Teenagern und ihre unterschiedlichen Interessen sehen. Die Themen bei Teenagern reichen von Musik über Stress mit Eltern und der besten Freundin bis zur ersten Liebe und dem ersten Sex.

Da hört es aber noch lange nicht auf: Was macht der Klimawandel mit uns und unserer Zukunft? Was will ich mal werden und wie will ich leben? Das sind Fragen, die sich alle Teenager so oder so stellen – egal ob weiß, schwarz, muslimisch oder jüdisch, egal welches Geschlecht man begehrt und egal ob im Rolli sitzend oder auf einem Pferd.

In bisherigen Teenie-Magazinen wird aber oft ein universelles Bild von Teenies, besonders von Mädchen gezeichnet: sie sind an Jungs und daraus folgend vor allem an Aussehen und Beauty interessiert und ohne Neugierde für gesellschaftliche Themen. Auch aus eigener Erfahrung wissen wir aber nun, dass das Teenagerleben durchaus komplexer ist.

Was genau fehlte auf dem Markt, was Sie mit dem Brause*Mag bieten können?

Trommer: Ein vielfältiges Magazin ohne erhobenen pädagogischen oder moralischen Zeigefinger. Wir wollen Mädchen und anderen Teens nicht vorgeben, wie sie zu sein haben oder sein sollten. Wir laden Teenies auch ausdrücklich ein, sich zu beteiligen, mit eigenen Texten. Wir stellen sie in Interviews vor, statt irgendwelche Promis zu zeigen, die suggerieren, dass jede oder jede so ein glamouröses Leben führen könnte, „wenn man sich nur genug anstrengt“.  

Was genau möchten Sie nicht sein?

Trommer: Ein Sprachrohr für eine „Generation“, wie immer die auch aktuell genannt wird. Wir sind ein Angebot unter vielen und hoffen, viele Leser und Leserinnen zu finden und uns mittelfristig selbst finanzieren zu können.

Rubriken wie Politik und News finden sich in gewöhnlichen Teeniemagazinen weniger. Life, Style und Body aber schon. Wieso musste auch das Thema Body rein, wenn Sie eigentlich suggerieren, dass das gar keine große Rolle im Leben von Teenies spielen sollte?

Trommer: Suggerieren wir das? Wir glauben schon, dass das eine große Rolle spielt, das ist auch okay. Wir finden aber, es macht einen Unterschied, ob ich mich schminke, weil ich dem süßen Boy aus der Nachbarklasse auffallen will oder ob ich gerne Schminke ausprobiere.

Unsere Körper sind natürlich ein Teil von uns und gerade im Teeniealter verändern sie sich ja auch sehr. Was das mit uns macht, wie unterschiedliche Körper überhaupt funktionieren und dass alle Körper gut sind, sind doch wichtige Themen. Was eine weniger große Rolle spielen sollte, ist doch die Norm, wie Körper sein sollen. Diättipps wird man bei uns aber definitiv nicht finden.

Wie schaffen Sie es, sich in die junge Zielgruppe hineinzuversetzen?

Trommer: Wir selber waren ja auch mal Jugendliche und glauben, dass sich die Themen nicht unbedingt verändert haben. Liebe, Freundschaft, Aussehen, Streit mit den Eltern und wie wir die Gesellschaft zu einem lebbaren Ort machen können – das gab es in den 90ern und das treibt Jugendliche auch jetzt um.

Klar, die Art und Weise mag sich verändert haben. Mobbing findet nicht mehr nur im Klassenzimmer statt sondern auch in den sozialen Medien. Aber Magersucht und Essstörungen gab es auch schon vor Germanys Next Top Model. Von daher denken wir, dass die Themen die gleichen sind, nur anders befeuert werden.

Der wichtigste Punkt ist und bleibt aber mit den Teens in Kontakt zu sein – also nicht von oben herab über sie sondern mit ihnen zu sprechen und schreiben. 

Sie rezensieren Bücher über die erste Liebe, so weit so gewöhnlich. Aber Sie geben auch Tipps für „Online-Shops, die dein Schwarzsein“ feiern…

Trommer: Erste Liebe ist erste Liebe, auch wenn sich Mädchen selbst wohl mehr hinterfragen, wenn sie feststellen, dass ihre Liebe oder ihr Begehren Mädchen gilt. Vielfalt geht gut in einem Nebeneinander und Miteinander, ohne stehts das zu benennen oder zu betonen, was NICHT der gesellschaftlichen Norm entspricht.

Da passen dann auch die Online-Shops dazu: Im deutschsprachigen Raum wird Weißsein immer noch als Norm gesetzt und Teens, die nicht weiß sind, fallen da oft einfach raus und werden nicht mitgedacht. Das wollen wir anders machen. Schwarze Teens selbstverständlich in den Fokus zu rücken, ist da nur eine Möglichkeit.

Was bekommen Sie für Resonanz von den Lesern?

Trommer: Die Kommentare auf der Seite und in den sozialen Medien sind toll. Ich denke die Leser und Leserinnen fühlen sich ernst genommen und gesehen. Ob es das Feedback zur HPV-Impfung war oder das Interview mit der Autorin von „Autistic Hero Girl“.

Sie haben kein Verlagshaus oder Unternehmen im Rücken. Wie finanzieren Sie Ihre Arbeit?

Trommer: Bisher über Spenden, demnächst kommt ein Shop mit Merch dazu. Im nächsten Jahr wollen wir auch Kooperationen mit Unternehmen eingehen. Da sind wir aber pingelig, weil wir nichts bewerben wollen, was Jugendlichen erst mal einredet, dass ihnen was zum Glücklichsein fehlt, bis sie dieses Produkt haben.

Was ist denn langfristig Ihr Ziel?

Trommer: Dass sich Teenies nicht mehr fragen müssen, ob sie „normal“ (genug) sind, weil sie in irgendeiner Hinsicht nicht der Norm entsprechen. Diesen Normen entspricht ja eh kaum jemand, warum wird dann gerade in Teeniemedien suggeriert, es sei so? Das entspricht nicht der Realität an körperlicher und geistiger Vielfalt, die Jugendliche im deutschsprachigen Raum ausmacht. Ein tolles Ziel wäre also, wenn jede und jeder Jugendliche selbstbewusst sagen könnte, dass sie oder er okay und richtig ist, mit allem, was dazu gehört.