Das Schokoladengeschäft "Obessive Chocolate Disorder" führt Sebastian Brecht, der Enkel des Dichters und Dramatikers Bertholt Brecht.
Foto: dpa/Marie Weigl

New York/ BerlinDer süße Duft einer New Yorker Chocolaterie weht nach Berlin. Mit einer feinen Note Kulturgeschichte. Denn nachdem der Enkel des Dichters und Dramatikers Bertolt Brecht (1898-1956), Sebastian Brecht, vor gut zwei Jahren in der amerikanischen Metropole sein eigenes Schokoladen-Geschäft eröffnete, denkt er nun über eine Filiale in Berlin nach.

Am Valentinstag 2017 eröffnete der junge Brecht, den die „New York Times“ bereits einen der „führenden Konditoren der Stadt“ nannte, das eigene Geschäft „Obessive Chocolate Disorder“ auf der East 4th Street im Süden Manhattans.

Ein bemerkenswerter Zufall: Der Dichter-Enkel Sebastian Brecht, der nie zum Theater wollte, landete mit seinem Laden auf einer der bedeutendsten Theater-Straßen New Yorks, dem Ellen Stewart Way, benannt nach der Gründerin des legendären La MaMa-Theaters. Dieser Straßenabschnitt ist einer von nur drei in ganz New York, die offiziell denkmal-und kulturgeschützt sind. Seit über hundert Jahren bewohnen Theater, Varieté-Clubs und Tanzkompanien die Häuser. Überall wird geprobt, gesungen, getanzt, gespielt. Und mitten in dem historisch geladenen Performance-Gewusel verkauft Brechts Enkel Schokolade.

Sebastian Brecht hält sich ein Portrait vor sein Gesicht, das die Künstlerin Alix Bailey von ihm gemalt hat - er lässt sich nie fotografieren.
Foto: dpa/Marie Weigl

Der Name „Obessive Chocolate Disorder“ spielt auf zwanghafte Verhaltensstörungen an. Neulich warf eine entrüstete Dame Brecht vor, er würde sich über die Krankheit lustig machen, unter der rund zwei Millionen Amerikaner leiden - auch ihre Tochter! Brecht reagierte verständnisvoll. Er selber lebe seit vielen Jahren mit der Krankheit, sagt er. Humor helfe, ihm damit besser umzugehen.

Brecht würde gerne auch einen Laden in Berlin eröffnen und sucht derzeit Sponsoren. Hat er, der seine Schokoladentafeln nach Ländern benennt und ihnen landestypische Geschmacksrichtungen gibt, denn auch schon eine Deutschland-Schokoladentafel? Er arbeite daran, sagt Brecht. Aber verraten will er noch nichts.