Berlin - Brandstifter haben in Berlin im vergangenen Jahr 372 Autos angezündet. Bei 116 dieser Angriffe werden politische Motive vermutet, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. 17 Fälle seien noch nicht zugeordnet.

Die Zahl direkt angegriffener Fahrzeuge hat sich gegenüber 2015 (186 Fahrzeuge) genau verdoppelt. Es seien fast ebenso viele Firmenfahrzeuge wie Wagen von Privatleuten betroffen gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Zudem wurden 176 weitere Wagen durch übergreifende Flammen beschädigt.

Bei 14 direkt attackierten sowie elf weiteren beschädigten Fahrzeugen wird von Taten aus dem rechten Spektrum ausgegangen. Bei 36 Brandstiftungen rund um das linksalternative Hausprojekt Rigaer Straße 36 werden Täter im linken Spektrum vermutet. Insgesamt konnten 37 Verdächtige ermittelt werden. Bei drei von ihnen vermuten die Ermittler einen politischen Hintergrund.

"Wer ein Fahrzeug anzündet, begeht eine schwere Straftat"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte von allen Parteien eine klare Distanzierung von extremistischen Straftaten. Im Koalitionsvertrag des neuen Senats werde der Kampf gegen Linksextremismus nicht erwähnt, kritisierte GdP-Vize-Landeschef Detlef Herrmann. „Wer ein Fahrzeug anzündet, begeht eine schwere Straftat, die nichts mit politischer Meinungsäußerung zu tun hat.“

Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel forderte, der rot-rot-grüne Senat müsse die Polizeipräsenz erhöhen. „Das Anzünden von Autos ist kein Bagatelldelikt. Es ist ein schwerer krimineller Akt, der sofort geahndet werden muss.“

Die meisten Autos brannten in Friedrichshain-Kreuzberg

Laut Polizei gingen die meisten Autos aus politischen Motiven heraus in Friedrichshain-Kreuzberg in Flammen auf, gefolgt von Treptow-Köpenick, Mitte und Neukölln.

Der Polizei wurden im Vorjahr auch etliche Bekennerschreiben bekannt, in denen beispielsweise zum Widerstand gegen „staatliche Repression“ aufgerufen wurde. Bei politisch motivierten Brandstiftungen übernimmt der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen. Die meisten Autos wurden aber laut Statistik aus anderen Gründen angezündet. So ging es etwa um persönliche Racheakte, Versicherungsbetrug oder die Verschleierung anderer Delikte. (dpa)