Es sind Meldungen, an die man sich fast schon gewöhnt hat: Gegen 23 Uhr hörte ein Mann in der Nacht zum Freitag am Kiehlufer in Neukölln einen Knall. Dann sah er wenige Meter hinter sich ein Auto in Flammen aufgehen. Er alarmierte Polizei und Feuerwehr. Das Auto brannte aus.

Der Wagen soll einem älteren Mann gehören, der in der Nähe seinen Kleingarten hat. Die Hintergründe sind noch unklar, die Polizei ermittelt. Derzeit geht die Polizei von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Bereits in der Nacht zum Dienstag hatten am Chamissoplatz in Kreuzberg zehn Autos auf einmal und gebrannt. In der selben Nacht erwischte es zwei Fahrzeuge in Tiergarten.

327 Autos wurden in diesem Jahr in Berlin angezündet

Fast jede Nacht brennen in Berlin Autos. 327 waren es in diesem Jahr, 64 allein im vergangenen Monat. Nur ein geringer Teil der Brandstiftungen hat einen politischen Hintergrund. Nach Angaben einer Polizeisprecherin wurden aus mutmaßlich politischen Motiven 30 Autos direkt angezündet, 31 weitere wurden durch die Flammen in Mitleidenschaft gezogen.

Die meisten anderen Brandstiftungen beruhen entweder auf Vandalismus, privaten Rache-Aktionen, Versicherungsbetrug oder sind sogenannte Verdeckungstaten, um Spuren einer vorangegangenen Straftat, bei der das Auto verwendet wurde, zu vernichten. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik in dieser Woche.

Die Polizei setzte eine fünfköpfige Ermittlungsgruppe „Nachtwache“ ein, die in den Innenstadtbezirken nach Zündlern Ausschau hält. Doch bislang ohne Ergebnis.

Weiß Innensenator Geisel mehr als seine Polizeipräsidentin?

Am Freitag brachte das Inforadio des RBB auf seiner Internetseite einen Artikel unter der Überschrift „Geisel geht bei Autobränden von Serientäter aus“. Dazu veröffentlichte der Sender einen kurzen O-Ton Geisels, der mitten im Satz anfängt: „…sondern dass dort ein Serienbrandstifter am Werk ist. Wir stellen das daran fest, in welchen Stadtteilen Berlins Autos brennen, welche Modelle das sind und welche Bekenntnisse es dazu gibt.“

Weiß SPD-Innensenator Andreas Geisel etwa mehr als seine Polizeipräsidentin? Sein Sprecher Martin Pallgen stellt klar: „Der Senator hat lediglich gesagt, dass man auch eine Serie nicht ausschließen kann. Alles andere wäre Spekulation.“

Einen Serientäter gab es schon einmal. 2011 hatte ein Brandstifter bei 67 Taten mehr als 100 Autos beschädigt. Als Motiv gab der damals 27-Jährige nach seiner Festnahme Frust an. Er hatte es vor allem auf Marken deutscher Autobauer wie BMW, Audi und Mercedes abgesehen. In jenem Jahr brannten in Berlin mehr als 500 Autos.