Steinwürfe gegen die Polizei, beschädigte Bankfilialen, brennende Autos: Nach einem Polizeieinsatz in der Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain haben Unbekannte in der Nacht zu Donnerstag an mehreren Orten in der Berliner Innenstadt randaliert. Die Polizei nahm zwei Männer vorläufig fest, wie sie am Donnerstag mitteilte.

Die Aktionen waren offensichtlich eine Reaktion auf einen Einsatz am Mittwoch in der Rigaer Straße 94, wo 300 Polizisten die Räumung von Räumen der linksextremen Szene überwachten. Im Internet wird zu weiterer Gewalt aufgerufen.

300 Vermummte ziehen durch Kreuzberg

Rund 200 größten Teils vermummte Männer und Frauen protestierten am Mittwochabend gegen die Räumung auf dem Mariannenplatz in Kreuzberg. Einige seien mit Holzstangen auf die Beamten zugegangen, bis diese sie mit Pfefferspray abwehrten, hieß es bei der Polizei.

Steine und Farbbeutel flogen auf das Bürgeramt an der Schlesischen Straße in Kreuzberg, Autos brannten im Neubauviertel auf der Halbinsel Stralau und an der Kreuzberger Alexandrinenstraße. Auf der Baustelle eines Wohnhauses an der Finnländischen Straße im Prenzlauer Berg gingen zwei Baumaschinen und Holzpaletten in Flammen auf, an der Kopenhagener Straße wurden die Fensterscheiben am Wahlkreisbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup eingeworfen.

Bankfilialen beschädigt

Beschädigt wurden auch Bankfilialen an der Beusselstraße, am Halleschen Ufer und an der Heinrich-Heine-Straße. Vereinzelt hinterließen die Täter Schriftzüge wie „Love R 94“ und „Rigaer Straße bleibt“.

Die Polizei nahm in der Nacht nach eigenen Angaben einen 30-Jährigen fest, der ein Polizeiauto beworfen haben soll, sowie einen 23-Jährigen wegen Landfriedensbruchs. Bei der Festnahme habe er einem Beamten gegen den Kopf getreten.

Randale ist Thema im Abgeordnetenhaus

Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte im Abgeordnetenhaus die Gewaltausbrüche: „Ausschreitungen dieser Art sind überhaupt nicht zu rechtfertigen. Sie machen wieder einmal deutlich, welche brutale Energie die linksextreme Szene in dieser Stadt nach wie vor aufbringen kann.“ Abgeordnete von Grünen und Linken unterbrachen Henkel immer wieder mit lauten Zwischenrufen und kritisierten die Polizei. Henkel sagte: „Ich verstehe auch nicht, dass Sie sich nicht einmal durchringen können und sagen, dass das, was da geschehen ist, nicht zu akzeptieren ist."

Eine Werkstatt und eine Kneipe der linksextremen Szene in der Rigaer Straße waren am Mittwoch im Auftrag der Hausverwaltung geräumt worden. 300 Polizisten schützten rund um das von Autonomen bewohnte Haus Nummer 94 laufende Bauarbeiten. Das Gebäude stand bereits im Januar im Mittelpunkt eines umstrittenen Polizei-Großeinsatzes mit 550 Beamten. In dem Gebiet gab es in den vergangenen Jahren immer wieder gewalttätige Aktionen der linksextremistischen Szene - etwa Farbbeutel- und Steinwürfe sowie Brandstiftungen.