Lange schon wird darüber geredet, Lehrer an den Brennpunktschulen mit Extragehalt für ihre schwierige Arbeit zu belohnen. Nun machen die rot-rot-grünen Koalitionsfraktionen Ernst. Damit betritt Berlin Neuland. Das überraschte selbst führende Mitarbeiter der Bildungsverwaltung, denn das Thema war offenbar erst in der Chefrunde der Fraktionsvorsitzenden am Sonntag vor zehn Tagen durchgesetzt worden.

Seither ist die Verwirrung groß: Damals hatte es zunächst geheißen, dass jene Lehrer 300 Euro brutto zusätzlich pro Monat erhalten sollen – dann, wenn mehr als 70 Prozent ihrer Schüler aus Familien stammen, die auf Sozialtransfers angewiesen sind. Dann nämlich häufen sich erwiesenermaßen statistisch Lernprobleme, Disziplinlosigkeit und Schwänzen.

Zwei Optionen für Brennpunkt-Lehrer

Doch nun hat man noch einmal nachgerechnet und festgestellt, dass die jährlich eingeplanten 8,6 Millionen Euro dafür wohl nicht reichen dürften. Immerhin sei diese Summe in den Haushalt eingestellt und nicht mehr verhandelbar, sagt Maja Lasic, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Demnach gibt es nun zwei verschiedene Optionen für die Brennpunkt-Lehrer.

„Denkbar ist eine Staffelung oder aber ein jährlicher Zuschlag.“ Eine Staffelung könnte zum Beispiel so aussehen, dass an einer Schule mit mehr als 70 Prozent lernmittel-befreiten Schülern die Lehrer nur 200 Euro monatlich obendrauf bekommen. Ab einem Anteil von 85 Prozent armer Schüler wären es aber 400 Euro zusätzlich. Das beträfe etwa 3000 Lehrer.

Noch mehr Lehrer werden benötigt

„Mit einer Zulage wollen wir den Lehrern an Brennpunktschulen unsere Wertschätzung entgegenbringen“, erläutert Lasic. „Bei engagierten Lehrern dort geht nämlich viel Arbeitszeit für die individuelle Förderung der Schüler, Ganztagsorganisation und Elternarbeit drauf.“ Zudem soll so ein Anreiz geschaffen werden, dass diese Lehrer vor Ort bleiben und sich intensiv mit den Problemschülern beschäftigen. Auch Grünen-Politikerin Stefanie Remlinger findet, eine solche Zulage sei eine Wertschätzung für wirklich harte Arbeit.

Sie hört aber aus vielen Schulen Stimmen, die statt einer Zulage eher eine Verringerung der Unterrichtsverpflichtung für jene Lehrer fordern. Diese Überlegungen gibt es offenkundig in der Bildungsverwaltung, und auch die GEW macht sich derzeit dafür stark. Allerdings würden dann noch mehr Lehrer benötigt. Angesichts der jetzt schon äußerst ausgedünnten Bewerberlage wäre dies quasi ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für weitere Quereinsteiger.

Höchste Gehaltsstufe für Berliner Lehrer

Zumal diese künftig zwei Stunden weniger unterrichten müssen, um sie nicht gleich zu überfordern. Die Koalitionsfraktionen haben, wie berichtet, noch weitere Entlastungen für Quereinsteiger vorgesehen.
Rechtlich schwierig wird es auch sein, die ungleiche Bezahlung von Lehrern zu rechtfertigen. Hier eine Brennpunkt-Zulage, dort keine.

Verschiedene Berliner Finanzsenatoren müssen sich in der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) seit Jahren bereits dafür rechtfertigen, dass Berlin seine Lehrer gleich bei Einstellung nach der bislang höchsten Gehaltsstufe bezahlt. Um bundesweit konkurrenzfähig zu bleiben.

Alle Möglichkeiten und Spielräume kommen in Betracht

Zulagen zahlen auch Brandenburg und Sachsen: Dort geht es aber meist darum, Lehrer mit mehr Geld in entlegene Landstriche zu locken. Diesbezüglich machte auch das unschöne Wort von der „Buschzulage“ die Runde. In Brandenburg muss eine Stelle allerdings dreimal erfolglos ausgeschrieben worden sein, um dann eine Zulage zahlen zu können. In Sachsen erhalten Lehrer ein bis zwei Gehaltsstufen mehr, wenn die Stelle nicht besetzt werden kann.

Das gilt dort auch für Pädagogen, die sich aus anderen Bundesländern, zuletzt häufig aus Bayern, bewerben. Aus rechtlichen Gründen heißt das in Sachsen „Gewinnzulage“, ein Begriff den Berlin jetzt übernommen hat. „Wenn der Haushalt beschlossen ist, werden wir als Mitglied der TdL sehen, was geht, und werden nach Möglichkeiten und Spielräumen suchen“, sagte Eva Henkel, Sprecherin der Finanzverwaltung.