Berlin - Wenn Großbritannien tatsächlich die Europäische Union verlässt, müssen auch zwei europäische Spitzenbehörden London verlassen. Neben der europäischen Finanzaufsicht ist das die Europäische Arzneimittel-Agentur mit ihren 900 Mitarbeitern. Diese European Medicine Agency (EMA), die die Arzneimittelzulassungen der nationalen Stellen überprüft, passe doch prima an die Spree. Dafür jedenfalls werben inzwischen die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner, aber auch die Industrie- und Handelskammer sowie diverse Unternehmen aus der Medizin-Branche.

Die Berliner Landespolitik setzt bekanntlich einen Schwerpunkt in der Gesundheitswirtschaft, zudem gibt es in Buch das neue Berliner Institut für Gesundheitsforschung von Charité und Max-Delbrück-Centrum, das zu wissenschaftlichen Spitzenleistungen fähig ist. Mit Bayer ist auch ein großer Pharmakonzern in Berlin präsent.

Möglicherweise neuer Sitz im Waldhaus

„Die Einbindung in die bestehenden Gesundheitsstrukturen würde sich wirklich anbieten“, sagte Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, und Aufsichtsratschef von Berlin Partner. „Viele Behördenmitarbeiter suchen vielleicht eher die Vorstadt oder auch das Umland.“ Das sei im Norden von Pankow genau richtig. Die Forscher selbst könnten etwa im schlossähnlichen, heute noch maroden Waldhaus unterkommen.

Bisher residiert die Europäische Arzneimittel-Agentur in einem Hochhausbau in Canary Wharf, in den Londoner Docklands. Um die Behörde herum sind noch einmal Tausende Jobs entstanden, denn Lobbyisten, Dienstleister oder Agenturen sind im milliardenschweren Medikamentengeschäft  engagiert. Geleitet wird die Behörde von dem Italiener Guido Rasi.

Viel Konkurrenz

Allerdings ist Berlin wirklich nicht die einzige Stadt, die um die EMA buhlt. Auch Paris, Madrid, Dublin  sowie Städte in Italien sollen interessiert sein. Und in Wien hat man eine eigene Arbeitsgruppe gebildet, um Finanzaufsicht und EMA nach Österreich zu holen, am besten in das Forum Donauststadt in Wien, das bald fertiggestellt werden soll. Die EMA benötigt angeblich gut 20.000 Quadratmeter Bürofläche.

Der größte Konkurrent in Deutschland ist die alte Bundeshauptstadt Bonn. Dort sitzt bereits das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) kommt aus dem Rheinland. Er steht dem Vernehmen nach als Mitglied des mächtigen nordrhein-westfälischen CDU-Landesverbandes dem Standort Bonn wohlgesonnen gegenüber. Auch der Bundesverband der Arzneimittelhersteller hat dort noch den Hauptsitz.