Berlin - Die Entscheidung des Aufsichtsrats vom vergangenen Mittwoch, den Vertrag des Direktors von Zoo und Tierpark nicht zu verlängern, erinnert daran, unter welch unwürdigen Umständen vor Jahren die große Zoodirektorin Katharina Heinroth aus dem Amt gedrängt wurde. Ohne Katharina Heinroth gäbe es heute den ältesten und traditionsreichsten deutschen Zoo möglicherweise nicht mehr. Frau Heinroth hatte den kriegszerstörten Garten mit viel Einsatz wieder aufzubauen begonnen und für ihre Zeit mustergültige Tierhäuser errichtet. Sie war international geachtet. Der Aufsichtsrat hat ihr das nicht gedankt und sie mit 60 Jahren in die Wüste geschickt. Jetzt wiederholt sich dieses Spiel erneut.

Mit Dr. Bernhard Blaszkiewitz muss der Mann gehen, dem Berlin vermutlich zu verdanken hat, dass der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde nach der Wende nicht abgewickelt werden konnte, weil er sich mit aller Kraft und Beharrlichkeit, ein Fels in der Brandung, wie es eben seine Art ist, als Tierparkdirektor allen Bestrebungen dieser Art widersetzt hat.

Damals wurde sehr wohl überlegt, ob man den Tierpark nicht schleifen könne. Als das nicht ging, hat man versucht, den Tierpark nach und nach zu schwächen. Ich erinnere hier nur an die beabsichtigte und vom Zoo im „Westen“ betriebene Schließung der sogenannten „Schlangenfarm“, in der das Zooaquarium offenbar eine Konkurrenz sah. Die unbestrittenen Haltungserfolge unter primitivsten Verhältnissen hatten wohl am Selbstbewusstsein der Verantwortlichen dort genagt.

Blaszkiewitz hat hier nicht nur für den Erhalt des Tierparks gekämpft. Mehr noch, er hat das Werk des großen Tiergärtners Heinrich Dathe fortgesetzt. Bei aller Verehrung für Dathe darf nämlich nicht vergessen werden, in welchem Zustand viele Teile des Tierparks nach der Wende waren...

Wenn man heute durch den Tierpark geht, dann sieht man davon nichts mehr, sondern findet eine Menge neuer und absolut tiergerechter Anlagen, die eine Verschärfung der Mindestanforderungen an die Haltung von Tieren, wie sie derzeit diskutiert werden, keinesfalls zu fürchten brauchen. Und auch im Zoo hat er die Modernisierung der Gehege und Tierhäuser nach längerer Zeit des Stillstands fortgeführt, während der man vorzugsweise über Riesenräder spekuliert hat, die nicht ... in einen Zoo gehören...

Bernhard Blaszkiewitz hat sich als begeisterter Zoologe der Tendenz zur grenzenlosen und entwürdigenden Vermarktung seiner Tiere beharrlich widersetzt und dafür, wie das Beispiel „Knut“ gezeigt hat, auch bösartige Kritik in Kauf genommen. Blaszkiewitz ist konservativ, was ja bekanntlich nicht „böse“, sondern „bewahrend“ heißt. Aber das wusste man auch schon, als man ihn 2007 zum Direktor beider Zoos machte. In einer Zeit, die geprägt ist von oberflächlicher „Verspaßung“ und Kommerzialisierung kann ihm dafür nicht genug gedankt werden, dass er versucht hat, den Zoo als Oase der Ruhe und der würdigen Begegnung mit der Kreatur zu erhalten...

Dass der Aufsichtsrat die Arbeit von Bernhard Blaszkiewitz so wenig würdigt und ganz offensichtlich aus Opportunismus der „Political Correctness“ folgend, ihn... in die Wüste schickt, ist beschämend – vor allem, wenn man bedenkt, dass Blaszkiewitz im nächsten Jahr sechzig wird und es sicher... würdigere Möglichkeiten gegeben hätte, die Zusammenarbeit zu beenden.

Oder wollte der Aufsichtsrat nur seine Ruhe vor den Attacken der Grünen Abgeordneten im Berliner Abgeordnetenhaus Claudia Hämmerling haben, die es offenbar als einzige Aufgabe ansah, Bernhard Blaszkiewitz jahrelang mit wenig Sachverstand, aber viel blindem Hass zu verfolgen und aus dem Amt zu treiben? Dann hätte es sich der Aufsichtsrat doch zu einfach gemacht!

Dieter Jauch ist Direktor der Stuttgarter Wilhelma, dem zweitartenreichsten Zoo Deutschlands.