Briefmarkenautomaten sterben aus

Einst übernahmen Maschinen die Arbeit von Menschen. Jetzt verlieren auch sie mitunter ihre Aufgaben. Ein aktuelles Beispiel: der Briefmarkenautomat. Einer dieser treuen unauffälligen Helfer im Alltag, die immer da zu sein scheinen. Schnelle Marke für zwischendurch? Kein Problem! Doch die Zeit des Briefmarkenautomaten läuft ab, unerbittlich. Vor 30 Jahren gab es davon in der Bundesrepublik noch fast 30.000 Stück, vor 15 Jahren waren bundesweit 6000 Geräte, inzwischen sind es nach Angaben der Post nur noch 1400. 

Aber wo stehen sie in Berlin? An jeder zweiten Ecke, suggeriert die Post auf ihrer Homepage. Also los, zum Aldi in der Silbersteinstraße, wo ich oft vorbeikomme. „Vorübergehend außer Betrieb“, schreibt der Automat auf seinem Display. Kein Problem, denke ich, der Brief an die Hausverwaltung hat noch Zeit. Nächster Versuch in der Annenstraße, ganz in der Nähe von der Redaktion. „Vorübergehend außer Betrieb“ ist auch dieser Automat.

Gestiegene Kosten

Allmählich drängt die Zeit. Aber am nächsten Tag fliege ich von Tegel ab, da müsste doch … Nein, „vorübergehend außer Betrieb“ auch dort. Tatsächlich ist stirbt der Briefmarkenautomat einen stillen Tod. Man habe die Nutzung und Auslastung der Geräte überprüft, teilt Post-Sprecherin Anke Blenn der Berliner Zeitung auf Anfrage mit. „Dabei wurde festgestellt, dass an vielen Standorten die Nutzung erheblich zurückgegangen ist.“ Das Briefgeschäft der Post ist seit Jahren rückläufig, zumal das private. In München hat die Post bereits alle Geräte abgebaut.

Aber nicht nur die geringere Nachfrage führe zur Abschaltung, schreibt Blenn, sondern auch die gestiegenen Kosten. Die Geräte seien seit Jahren im Einsatz, die Reparaturanfälligkeit sei entsprechend gestiegen. Wo es noch funktionierende Geräte gibt, schreibt die freundliche Frau Blenn auch: in der Frankfurter Allee 204, in der Torstraße 105, an der Fischerinsel 11 und in Rathausstraße 5. Das sei aber eine zufällige und unvollständige Liste, betont sie.

Briefmarken lassen sich online erwerben

Möglicherweise hat ein strategischer Fehler der Post das Siechtum des Briefmarkenautomaten befördert: Bei der Einführung der aktuellen Generation setzte das Unternehmen auf die Geldkarte als bargeldloses Zahlungsmittel. Die hat sich in Deutschland aber nie durchgesetzt. Seit 2015 nehmen die Maschinen darum ausschließlich Münzgeld an – ein Zahlungserlebnis wie in den Gründungszeiten der Post.

Wer mit der Zeit gehen will, für den hat die Post aber ein Angebot: Briefmarken lassen sich online erwerben, in Form eines zwölfstelligen Zahlencodes. Und sogar per SMS (auch so ein aussterbendes Medium) lässt sich frankieren: Die Ziffern kann der Absender dann von Hand auf den Umschlag schreiben. Er muss dafür, dass er der Post Arbeit abnimmt, allerdings einen Zuschlag von 40 Cent zahlen. Der Fortschritt verlangt den Menschen eben einiges ab. Gerade, wenn ihm die Maschinen nicht mehr helfen.