Wer will eine Eisenbahn kaufen? Historische Loks und Wagen, ausreichend für drei Zuggarnituren auf schmaler, 600 Millimeter breiter Spur? Ein ungewöhnliches Kaufangebot, das da im Internet zu lesen ist. „Nachfolger für die Britzer Museumsbahn mit riesigem Fahrgastvolumen, erfolgreich und beliebt, gesucht“, so lautet die Offerte, die Klaus Gränert auf seine Website gesetzt hat. „Zu verkaufen.“ Seit 1986 hatte er mit seiner Bahn viele Fahrgäste durch die Parkanlage im Bezirk Neukölln befördert. „Die Züge waren voll, alle haben sich gefreut“, erzählt der 78-Jährige. Er auch: „Ich war mit Liebe zur Sache dabei.“ Doch damit ist Schluss, denn Gränert darf nicht mehr fahren. Der Betreiber des Britzer Gartens, die landeseigene Grün Berlin GmbH, möchte den Vertrag neu vergeben.

„Ich bin traurig“, sagt Klaus Gränert. „Ich kann es nicht ertragen, dass ich nicht mehr fahre. Ich hänge an meiner Bahn. Es hat Laune gemacht, den Fahrgästen auch.“ Im Jahr nach der Bundesgartenschau, in dem der Britzer Garten eröffnet worden war, hatte Gränert den Betrieb der rund sechs Kilometer langen Strecke übernommen. Seitdem ist er von ganzem Herzen Bahnchef.

Mehr als Tempo 6 ist nicht drin

„Mit einem Tieflader brachte ich die Fahrzeuge aus Bayern hierher“, eine weite Reise durch die DDR. Heute steht im Betriebshof eine stattliche Sammlung. Dazu gehören eine Akkulok, die der Britzer Bahn-Chef aus Zürich holte, und die Replik eines Wagens, der 1881 auf der ersten elektrischen Straßenbahn der Welt in Lichterfelde im Einsatz war. „Diesen Wagen habe ich nebenbei selbst gebaut“, sagt Gränert. Der gelernte Feinmechaniker ist Straßenbahn-Fan, was in West-Berlin früher nicht so leicht war. Denn dort war 1967 die letzte Strecke stillgelegt worden.

Viele Jahre lang gehörte das Rattern der kleinen Züge zur Geräuschkulisse im Britzer Garten. Fußmüde ließen sich durch den 90 Hektar großen Park fahren, Kinder fanden die Schmalspurzüglein niedlich. Hochzeitsgesellschaften und Politiker ließen sich in den offenen Wagen ebenfalls den Wind um die Nase wehen. Jede Tour war immer auch eine Entdeckung der Langsamkeit, denn schneller als Tempo 6 darf die Bahn nicht fahren, weshalb eine Rundtour um die 50 Minuten dauert.

Doch in diesem Jahr blieben die Gleise leer und die Züge im Depot. Das blieb vielen Besuchern nicht verborgen. „Ich werde häufig gefragt, warum die Museumsbahn nicht mehr fährt“, sagt Gränert.

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„Wir werden älter“

„Die Bahn ist auch uns lieb und teuer“, bekräftigt die Parkleiterin Gabriele Kleuvers. „Wir haben die Arbeit von Herrn Gränert sehr geschätzt. Aber wir werden älter. Deshalb haben wir ihn gebeten, uns seine Fahrtauglichkeit nachzuweisen. Wir müssen sichergehen, dass er und seine Mitstreiter körperlich und geistig in der Lage sind, Züge zu fahren.“ Gränert habe den Beleg nicht geliefert. Auch ein Nachweis der Verkehrssicherheit sei nötig, ergänzt Sprecherin Marina Goertz. Auf die sicherheitsrelevanten Dokumente könne die landeseigene Grün Berlin GmbH nicht verzichten: „Obwohl wir nicht der Bahnbetreiber sind, würde uns bei Vorkommnissen eine Teilschuld übertragen und ein nicht absehbarer Imageschaden für den Britzer Garten entstehen.“

Gränert ist enttäuscht, dass ihm die Parkleitung offenbar nicht mehr vertraut. „Alle Fahrzeuge sind sicher und haben einen strengen Test des TÜV bestanden. Er dauerte drei Tage und kostete 4 000 Euro“, sagt er. Auch die Aufsichtsbehörde habe nichts zu beanstanden. Darum sehe er nicht ein, warum er jetzt noch so viele Nachweise erbringen soll.

Inzwischen sucht die Parkleitung einen neuen Bahnbetreiber, der das Schienennetz ab Januar pachtet. 2014 sollen wieder Züge durch den Britzer Garten fahren, so Gabriele Kleuvers. Bisher gebe es zwei Bewerber. Einer hat in Thüringen schon eine Bahn. „Das ist ein Profi.“