Berlin - Es wird immer klarer: In diesem Jahr wird der Flughafen BER nicht mehr öffnen. „Wenn man die Situation betrachtet, bekommt man immer mehr den Eindruck: Wie soll das 2017 noch klappen?“ sagte Holger Rößler von der Gewerkschaft Verdi, der dem Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft FBB angehört, am Dienstag.

Kurz zuvor waren weitere Hiobsbotschaften von dem Pannenprojekt in Schönefeld bekannt geworden. Am BER droht die fünfte Terminverschiebung seit 2010.

Es ist noch viel zu tun

Dem Vernehmen nach haben Bau-Verantwortliche Flughafenchef Karsten Mühlenfeld darüber informiert, dass die neuen Probleme am BER gravierender sind als anfangs angenommen. So funktioniere die Sprinkleranlage immer noch nicht wie geplant. Außerdem ließen sich viele Türen im zentralen Empfangsgebäude nicht zuverlässig aus der Ferne bedienen, es gebe Schwierigkeiten mit der Türsteuerung. Ähnliche Probleme hatte es bereits 2012 gegeben, als die für den damaligen Juni geplante Eröffnung des BER wenige Wochen vorher abgesagt wurde.

Die neuen Probleme wurden intern offenbar schon Ende Dezember 2016 bekannt. Seitdem steht fest: Anders als bisher mitgeteilt ist eine Inbetriebnahme des BER 2017 nicht mehr möglich.

Der Sachstandsbericht, den die FBB kurz vor Weihnachten vorgelegt hatte, ließ das bereits erahnen. Er dokumentierte, dass das Projekt nur noch schleppend vorangeht. Dem Bericht zufolge wurden bis Ende November erst 80 Prozent der „Meilensteine“, die das Planungs- und Baupensum im Terminal beschreiben, erreicht – bleiben 20 Prozent. Ende Oktober waren es 79 Prozent gewesen.

Alles Routine

Auf zentralen Problemfeldern gibt es weiterhin Defizite. So waren Ende November neun Prozent der Defizite beim Brandschutz noch nicht behoben. Auch hier ist der seit Oktober erreichte Fortschritt gering: lediglich ein Prozentpunkt.

Außerdem ist weiterhin unklar, wie sich die letzte noch ausstehende Baugenehmigung auf das Projekt auswirken wird. Wie berichtet will das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald den sogenannten sechsten Nachtrag am 27. Januar genehmigen. Zwar geht kein Planer davon aus, dass die Behörde weitere große Baumaßnahmen anordnen wird. „Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass der FBB neue Nachweispflichten entstehen“, sagte Staatssekretär Rainer Bretschneider, Flughafenkoordinator der Brandenburger Staatskanzlei. Er machte deutlich, dass die Technik am BER auch erprobt und geprüft werden müsse.

Aufsichtsrat muss vergrößert werden

Bretschneider wollte die neuen Informationen nicht kommentieren. Er forderte die Flughafen-Geschäftsführung erneut auf, einen verlässlichen Zeitplan für das weitere Vorgehen am BER zu liefern. „Sie muss ihre Entscheidungsfindung auf eine solide Basis stellen“, sagte er.

Wann Flughafenchef Mühlenfeld einen Eröffnungstermin bekanntgeben wird, der sich aus seiner Sicht halten lässt, ist nicht absehbar. Dass er den Zeitpunkt schon bei der kommenden Aufsichtsratssitzung nennt, halten Beobachter für ausgeschlossen.

Ursprünglich sollte das Gremium am Montag tagen, um sich mit mehr Mitgliedern als bisher neu zu konstituieren. Hintergrund ist, dass die Flughafengesellschaft inzwischen mehr als 2000 Beschäftigte hat. Das erfordert einen größeren Aufsichtsrat, den die Arbeitnehmer- und Anteilseignerseite künftig mit jeweils zehn Delegierten zur Hälfte besetzen. Die Arbeitnehmervertreter werden aber erst am Donnerstag gewählt. Darum bat Verdi bereits vor einigen Tagen darum, die Sitzung zu verschieben. Sie soll nun Anfang Februar stattfinden, hieß es. Im Gespräch ist derzeit der 7. Februar.

Termin erst im März oder Mai

Zwar gilt es als sicher, dass Mühlenfeld den Aufsichtsrat über das Projekt informieren wird. „Doch es wird wohl so sein, dass er den neuen Eröffnungstermin erst im März oder Mai 2017 mitteilt“, so ein Aufsichtsratsmitglied. War bislang vom Beginn der Sommerflugplanperiode 2018 die Rede (Ende März), wird nun auch eine Inbetriebnahme erst im Sommer 2018 nicht mehr ausgeschlossen.

Dem Vernehmen nach wird ein „Soft Opening“ diskutiert. Danach würde für den BER nur eine Start- und Landebahn genutzt, Tegel bliebe für eine längere Übergangszeit offen. Erst wenn der Betrieb am BER stabil ist, soll der Umzug erfolgen, erfuhr der Fluglärmschutzkommission Tegel jüngst.