Was seit Langem befürchtet wurde, ist jetzt Realität: Die Salvador-Allende-Brücke in Köpenick, eine der am stärksten befahrenen Überführungen über die Spree, wird einseitig gesperrt. Voraussichtlich Ende November, Anfang Dezember soll dies geschehen, teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit: „Die Risse in der Stahlbetonkonstruktion des westlichen Brückenteils haben einen kritischen Wert erreicht.

Dort ist keine sichere Überfahrt mehr gewährleistet“, sagt Behördensprecherin Petra Rohland. Der Verkehr, darunter zwei BVG-Buslinien (X 69 und 269), wird dann auf dem östlichen Überbau, der weniger marode ist, jeweils einspurig in beide Richtungen geführt. Auf unbestimmte Zeit, denn wann eine neue Brücke gebaut wird, ist völlig ungewiss. Dauerstau für den Südosten ist also programmiert.

Doch das ist längst nicht die einzige Hiobsbotschaft für die ohnehin von Staus geplagte Region: Wer etwa vom Allendeviertel oder aus Müggelheim in Richtung Innenstadt will und die Brücke umfahren möchte, nimmt als Alternative die Müggelheimer Straße. Doch auch dort wird er demnächst im Stau landen: Denn die Kreuzung Müggelheimer Straße/Wendenschlossstraße wird vom Frühjahr kommenden Jahres an für mehrere Monate zur Baustelle. Sie wird komplett umgebaut.

Finanznot ist Grund für zwei Baustellen gleichzeitig

Dass beide Staufallen zeitlich zusammenfallen, ist der finanziellen Lage Berlins geschuldet. Denn die drei- bis vierspurige, stark befahrene Kreuzung, die ihre Kapazitätsgrenze erreicht hat, sollte schon seit Jahren umgestaltet werden. Doch erst jetzt gibt es dafür Geld vom Senat. Der Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer (SPD), begrüßt die Arbeiten. „Es ist gut, dass sich dort endlich was tut, denn der Stau ist dort jetzt schon beträchtlich und die Anwohner befürchten weitere Verkehrsprobleme durch die vielen Neubauvorhaben.“

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Im Ortsteil Wendenschloss, in den man über die Kreuzung in Richtung Süden gelangt, werden in den nächsten Jahren mehr als 1 500 neue Wohnungen gebaut. Zu den derzeit rund 10 000 Pkw, die an der Kreuzung gezählt werden, könnten dann weitere 4 000 dazu kommen. Diese rund 36-prozentige Steigerung kann der Verkehrsknoten in seiner jetzigen Form nicht aufnehmen, sagt der Verkehrsplaner Bodo Fuhrmann.

Er leitet im Auftrag des Senats die Kreuzungs-Umgestaltung. Den Stau will er vor allem durch eine flexiblere Ampelschaltung auflösen: „Induktionsschleifen im Boden zählen das Verkehrsaufkommen, nach dem die Ampeln geschaltet werden“, sagt er. Kommen viele Autos, ist die Grünphase länger; sind es weniger, kann schneller auf Rot geschaltet, wodurch dann der Gegenverkehr zügiger rollt.

In Berlin gibt es 70 marode Brücken

Zum Umbau der Kreuzung gehört auch, dass die Straßenbahn-Haltestellen an der Müggelheimer Straße zusammengelegt und im östlichen Bereich Mittelinseln geschaffen werden. So sollen die Fußgänger zügiger über die Straße kommen. Der Nachteil dabei: Für die Mittelinseln müssen Fahrspuren weichen, die Straße wird insgesamt enger.

Im Bezirksamt ist man skeptisch, ob der prognostizierte Verkehr staufrei geführt werden kann. „Es ist etwas Glauben dabei, weil die tägliche Wahrnehmung eine andere ist“, sagt Baustadtrat Hölmer. Verkehrsplaner Fuhrmann verspricht eine Prüfung, wenn die ersten 500 Neu-Bewohner in Wendenschloss eingezogen sind. Gegebenenfalls müsse nachjustiert werden.

Das ist im Fall der maroden Allende-Brücke nicht möglich. Im Stahlbeton der 1981 fertiggestellten Überquerung spielt sich seit Jahren ein zerstörerischer chemischer Prozess ab. Umgangssprachlich wird von Betonkrebs gesprochen. Die Brücke muss abgerissen, eine neue gebaut werden. Wann das sein wird, weiß derzeit niemand. Verwaltungssprecherin Petra Rohland: „Mit einem Ersatzneubau könnte frühestens Ende 2015 begonnen werden.“

Ob das Abgeordnetenhaus das nötige Geld in den neuen Haushalt aufnimmt, ist ungewiss. Denn in Berlin gibt es etwa 70 marode Brücken, sieben von ihnen sind ähnlich kaputt wie die in Köpenick.