Brücke über Treskowallee: Am Bahnhof Karlshorst wird bis 2019 gebuddelt

Die Brücke am Bahnhof Karlshorst bleibt noch über Jahre ein Nadelöhr. Zwar wird die Deutsche Bahn mit dem Neubau über die Treskowallee planmäßig Ende 2013 fertig und bis April kommenden Jahres die Baustelle beräumen. Doch vorgesehene Bauarbeiten der BVG und der Berliner Wasserbetriebe (BWB), die sich eigentlich anschließen sollten, beginnen voraussichtlich erst im Jahr 2017.

Die Treskowallee bleibt zwischen dieser Zeit so, wie sie schon vor den Brückenbauarbeiten war, die Verkehrseinschränkungen mit sich brachten – passierbar, aber eng für die rund 40000 Fahrzeuge täglich. Und wenn dann endlich BVG und die BWB zu bauen beginnen, wird es noch einmal enger. Das wird bis 2019 dauern, wenn der Bezirk die Arbeiten am Bahnhof Karlshorst an den Fahrbahnen und Bürgersteigen abschließt. Bekannt wurde das am Montagabend bei einer Bürgerversammlung.

Neue Führung für die Straßenbahn

Lichtenbergs Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) ist sauer. Denn nach dem am Montagabend durch Vertreter der verschiedenen Beteiligten vorgestellten Bauablauf verschiebt sich die für 2016 geplante Fertigstellung des Gesamtprojekts, das auch eine Verlegung der Tramspuren und neue Leitungen der Wasserbetriebe beinhaltet, um insgesamt drei Jahre. „Es kann nicht sein, dass die Brücke fertig ist und wir haben trotzdem rundherum noch lange eine Baustelle“, sagte er am Mittwoch.

Die Eisenbahnüberführung wird im Rahmen des Ausbaus der Strecke Berlin – Frankfurt (Oder) – Polen für Züge mit Geschwindigkeiten bis 120 Kilometer neu errichtet. Seit Anfang 2012 wird gebaut. Die mehr als 100 Jahre alte Brücke über die Treskowallee ist längst demontiert, für die S- und Fernbahngleise wurden Behelfsbrücken errichtet. Die Brücke wird durch den Neubau von bisher 15 Metern auf 31 Meter erweitert. Darunter sollen dann statt der bisher insgesamt zwei Spuren je Richtung für Autos und Straßenbahn jeweils zwei Autospuren und eine Straßenbahntrasse entstehen.

Den Verlauf der Tramgleise hatte die BVG bereits 2011 mit Anwohnern und dem Bezirk beraten. Die Gleise sollen unter der Brücke an den Fahrbahnrand verlagert werden, um Umsteigern die Möglichkeit zu geben, direkt von der Haltestelle in den Bahnhof zu gelangen. Vor und nach der Bahnbrücke sollen sie in der Fahrbahnmitte der Treskowallee verlaufen.

Doch im vergangenen Jahr meldete die Verkehrslenkung Berlin Bedenken gegen diese sogenannte Verschwenkungslösung an. Deshalb ließ die Stadtentwicklungsverwaltung untersuchen, ob die Variante auch im Hinblick auf die prognostizierten wachsenden Verkehrsströme zweckmäßig ist. Denn Karlshorst verzeichnet ebenso wie der gesamte Bezirk Lichtenberg stetig steigende Einwohnerzahlen. „Das Ergebnis der Gutachter liegt uns seit Februar vor“, sagt Nünthel. „Die Simulation hat ergeben, dass die Variante funktioniert.“

Für Bürger kaum nachvollziehbar

Der Bezirk habe nun erwartet, dass das Projekt mit nur mehrmonatiger Verzögerung, die sich durch die Prüfung der geplanten Gleisführung ergab, realisiert werden kann. „Doch die BVG hat mitgeteilt, dass zunächst ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden muss.“ Mit dessen Abschluss könne 2015 gerechnet werden, dann beginnen laut Nünthel erst die Wasserbetriebe mit ihrer Planung. Die BWB wollen auf etwa 300 Meter Länge einen Regenwasserkanal und diverse Leitungen erneuern.

Unternehmenssprecher Stephan Natz sagt, man wolle erst Planungssicherheit haben, wie die BVG denn tatsächlich baue: „Allein unsere Planungskosten bewegen sich schließlich in sechsstelliger Höhe. “ Er sagt, dass die BWB bereits 2012 in Schreiben an die Stadtentwicklungsverwaltung, die BVG und den Bezirk mitgeteilt habe, dass sie erst planen würden, wenn Baurecht für die Straßenausführung bestehe – mit festgelegten Bordkanten und Gleistrassen.

Für Stadtrat Nünthel ist es unverständlich, dass die Unternehmen nicht parallel vorgehen: „Das ist wohl auch für kaum einen Bürger nachvollziehbar.“ Er will deshalb an Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) schreiben und auf eine Beschleunigung drängen. In dessen Haus will man sich zu dem Vorgang noch nicht äußern, sagt Sprecherin Petra Rohland. Der Brief sei ja noch nicht einmal eingegangen.