Kreuzberg/Friedrichshain - Die Salvador-Allende-Brücke in Köpenick wurde gesperrt, weil sie nicht mehr standfest ist. Von der Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow ist nur noch eine Hälfte befahrbar, weil in der anderen ein 25 Meter langer Riss klafft. Auch die benachbarte Spreequerung wird bald Baustelle.

Die Abdichtung der Oberbaumbrücke, die Friedrichshain und Kreuzberg verbindet, muss erneuert werden. Monatelang kann sie nur mit der halben Kapazität betrieben werden. Damit fällt eine weitere wichtige Brücke größtenteils aus. „Es ist kein Zufall, dass wir uns nun nach und nach mit vielen Brücken in Berlin befassen müssen“, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). „Viele dieser Bauwerke kommen in die Jahre.“

Kreuzberger Kompromiss für die Oberbaumbrücke

Für mehr als 1100 Brücken ist der Senat zuständig, die 1896 eröffnete Oberbaumbrücke ist eine der schönsten. Die beiden Türme wurden einem Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung von Prenzlau nachempfunden, der Gehweg unter der Hochbahn sieht aus wie ein Kreuzgang. Täglich wird der Abschnitt des Innenstadtrings von einer fünfstelligen Zahl von Autos und Lkw genutzt. Auch Radfahrer queren dort die Spree, 2018 waren es 3,7 Millionen.

Nach der Wiedervereinigung wurde die 154 Meter lange Brücke, die als Teil der DDR-Grenze jahrzehntelang für Fahrzeuge tabu war, 1992 bis 1995 saniert. Viele Bürger auf der Westseite lehnten die Reaktivierung der Autoverkehrsachse ab. Ergebnis war ein Kreuzberger Kompromiss: Wiedereröffnung für Kraftfahrzeuge nur dann, wenn Schienen in den Asphalt eingelassen werden – für eine spätere umweltfreundliche Verbindung zum Hermannplatz.

Auf der Oberbaumbrücke fällt eine Fahrspur weg

Doch die Straßenbahngleise, die bis heute ungenutzt blieben, erwiesen sich als Problemquelle. 2010 wurden dort erstmals Schäden im Asphalt festgestellt. Wasser dringt ein, bei Frost platzen Schlaglöcher auf. Auch die Abdichtung ist schadhaft geworden. „Eine Schutzschicht aus Flüssigkunststoff hält normalerweise 20 Jahre“, sagte ein Ingenieur. Inzwischen liegt sie 25 Jahre – ist also längst überfällig. Seit einiger Zeit steht fest: Es muss etwas getan werden, damit nicht auch noch die Betonplatte unter der Fahrbahn leidet.

Vom 6. Mai bis 24. September sollen 830.000 Euro verbaut werden, sagte Behördensprecher Jan Thomsen. Vielleicht dauert es auch länger, falls auch die Betonplatte instand zu setzen ist. „Gebaut wird in zwei Phasen, wobei jeweils ein Fahrstreifen je Fahrtrichtung zur Verfügung stehen wird.“ Je eine Fahrspur fällt weg, Stau droht. Damit nicht genug: Die Möglichkeiten, auf Friedrichshainer Seite abzubiegen, werden eingeschränkt, oftmals werden Umwege nötig.

Elsenbrücke wird erst 2028 fertig

Eine Umfahrung über die nächste Spreequerung flussaufwärts empfiehlt sich nicht, denn die Elsenbrücke ist bereits Staustelle. Als das 1968 fertig gestellte Betonbauwerk im vergangenen Juni bei einer regulären Prüfung unter die Lupe genommen wurde, schien es in Ordnung zu sein. Doch als die Experten Ende August wiederkamen, um die Untersuchung zu Ende zu führen, klaffte ein bis zu 1,8 Millimeter breiter Riss im Beton des östlichen Überbaus. Seitdem ist nur noch die Westhälfte befahrbar.

„Diese Spreequerung hat für uns größte Priorität“, so Thomsen. Doch die neue Elsenbrücke wird erst 2028 fertig. Bürgerbeteiligung, Planung, Ausschreibungen nähmen Zeit in Anspruch. Ein spezielles Thema könnte alles verzögern: Wenn der Bund tatsächlich nebenan die A100 über die Spree hinweg verlängert, müssten die Planungen angepasst werden. Die jetzige Berliner Koalition lehnt den Autobahnbau ab.

Wie steht es um Berlins Brücken?

Wie kam es zum „Totalversagen“? Ersten Erklärungen zufolge wurde in der Elsenbrücke ein Spannstahl verbaut, der zu Korrosion neigt. Hinzu kam, dass Bauleute eine Bauvorschrift nicht einhielten, weshalb Nässe in die Konstruktion sickerte.

In Köpenick musste ein Teil der Salvador-Allende-Brücke abgebrochen werden, weil er unter Betonkrebs litt. Um Platz für den Neubau zu schaffen, wurde das alte Widerlager halbiert – was dazu führte, dass sich der östliche Überbau senkte und ebenfalls ausfiel. Erst Ende 2019, wenn der erste Teil des Neubaus fertig ist, rollen dort wieder Autos.

Wie steht es um Berlins Brücken? „In Schulnoten würde man ,noch befriedigend‘ sagen“, so Thomsen. Bei der Erhaltung wurde in den vergangenen Jahren erheblich gespart, ein Rückstau sei entstanden. „Bei älteren Bauwerken besteht zudem das Problem, dass insbesondere der Schwerlastverkehr stärker gestiegen ist, als bei Fertigstellung erwartet worden war.“ Vor allem die Spannbetonbauwerke der ersten Generation, aus den 60er-Jahren, weisen zudem statische und konstruktive Mängel auf. Gerade diese Brücken haben eine reduzierte Lebenszeit von nur 50 bis 60 Jahren – und müssen in ganz Deutschland nach und nach durch Neubauten ersetzt werden.

Gleise auf der Oberbaumbrücke werden ersatzlos entfernt

„Über Jahre ist zu wenig getan worden“, sagte Oliver Friederici von der CDU. Auch jetzt gebe es Versäumnisse: „Seit langem fordern wir ein Brückenkataster, nichts hat sich getan.“ Er warnte den Senat, den Verkehrsraum weiter einzuschränken, Ausweichrouten zu verschmälern. Für die neue Elsenbrücke forderte er die „große Lösung“. Friederici: „Sie muss mit der A100 gebaut werden.“

Und die Gleise in der Oberbaumbrücke? Sie werden ersatzlos entfernt, sagte Thomsen. Noch sei unklar, wo die Straßenbahnstrecke, die nun endlich geplant wird, auf Kreuzberger Seite verlaufen soll. Zudem entspräche die Gleiskonstruktion längst nicht mehr dem Stand der Technik, das gilt auch für die Verankerung, hieß es. Endstation Schrott.