In Berlin sind 70 Brücken in einem so schlechten Zustand, dass sie dringend saniert oder abgerissen und neu gebaut werden müssten. Diese Analyse des Senats ist am Montag bei Experten auf ein großes Echo gestoßen. „Sie bestätigt unsere Erkenntnisse“, sagte Axel Wunschel, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg. „Die Analyse wirft ein Schlaglicht darauf, wie schlecht es um Berlins lebensnotwendige Infrastruktur bestellt ist. Sie zeigt, dass die Brücken vernachlässigt und nicht in ausreichendem Umfang instand gehalten worden sind.“ Reinhold Dellmann, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, erwartete eine Verschärfung der Probleme. „Weil für Brückensanierungen zu wenig Mittel bereitgestellt werden, wird man in Berlin mittelfristig mit Brückensperrungen zu rechnen haben.“

Wie berichtet wurden sieben Berliner Brücken mit Zustandsnoten zwischen 3,5 und 4,0 bewertet, weil sie nicht mehr stand- oder verkehrssicher sind. Dazu zählen die Salvador-Allende-Brücke in Köpenick und die Lindenhofbrücke in Pankow. Weitere 41 Brücken erhielten Noten zwischen 3,0 und 3,4 – sie sind in einem nicht ausreichenden Zustand. Beispiele sind die Bösebrücke am S-Bahnhof Bornholmer Straße sowie die Marzahner Brücken im Zuge der Landsberger Allee.

„Jeder kennt Beispiele, die zeigen, dass Berlins Straßen und Brücken lange Zeit offensichtlich vernachlässigt worden sind. Mir fällt da zum Beispiel die Bäkebrücke über den Teltowkanal in Lichterfelde ein, die faktisch nur noch im Einbahnsystem befahren werden kann“, sagte Wunschel. Eigentlich dürften Brückenschäden nicht auftreten. Bei ausreichender Instandhaltung würde es dazu gar nicht kommen.

„Auf die Warnungen der Architekten und Ingenieure, aber auch der Bauunternehmen zur problematischen Situation der Brücken und Straßen in Berlin muss endlich gehört werden“, sagte Dellmann. „Warum muss es in Berlin so weit kommen wie in Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein?“ Die Rheinbrücke der A 1 in Leverkusen musste zeitweise für Lastwagen gesperrt werden, die Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal (A 7) ist seit Juli für Lkw tabu.

Neues Problem droht auf der A 100

Auch viele Fahrbahnen in Berlin leiden unter Vernachlässigung, kritisierte Axel Wunschel. „Jeder Winter, jeder regenreiche Sommer schädigt die Straßen, ohne dass die Instandhaltung damit Schritt hält. Jedes Jahr verzeichnen wir mehr Schlaglöcher und andere Schäden. So verschärft sich dieses Problem immer weiter.“ Wunschel befürchtete, dass bald auch die A 111 nördlich vom Dreieck Charlottenburg saniert werden muss – eine der am stärksten genutzten Autobahnen Berlins.

Ein weiteres Problem droht auf der Verlängerung der A 100, die zwischen Neukölln und Treptow entsteht. „Der offenporige Asphalt, der beim 16. Bauabschnitt zur Schalldämmung verwendet werden soll, bedarf einer aufwendigen Pflege“, so Wunschel. „Er muss intensiv kontrolliert und erhalten werden.“