Ein kalter Wintertag. Der Atem bildet kleine Wölkchen im Licht der tiefstehenden Sonne, auf den Pfützen sind morgens die ersten hauchdünnen Eisplättchen zu sehen. Sie zerknacken wie  Schokoladentäfelchen. Weihnachten streckt schon die Arme zur wohligen Umarmung aus. Es könnte so schön sein. Ist es aber nicht.

Denn ausgerechnet dort, wo man sich einmummeln und aufwärmen möchte, bleibt es in diesen Tagen für Mieter der Wohnungsbaugesellschaft Deutsche Wohnen kalt. Im Kiez rund um die Stralsunder Straße im Brunnenviertel in Mitte sind gleich mehrere Häuser von einem Heizungsausfall betroffen. Regina Linke bibbert seit Donnerstag in ihrem Wohnzimmer. Ihre 84-jährige Schwiegermutter Helga Wilde im Aufgang nebenan hat 18 Tage lang keine Heizung im Bad.

In Regina Linkes Wohnzimmer ist alles weihnachtlich geschmückt. Eine kleine Tanne, Lichterketten. Schade nur, dass die Verkäuferin dies alles kaum zu Gesicht bekommt. Wenn sie zu Hause ist, verbringt sie ihre Zeit lieber in der Küche, wohin sie auch den Hasen umquartiert hat, oder im Schlafzimmer unter der Bettdecke. Denn im Wohnzimmer kommt sie mit Hilfe eines kleinen Ölradiators gerade mal auf 15 Grad.

Die Eiszeit im Hause Linke begann schon in der vergangenen Woche. Donnerstagabend ist die Heizung nur noch lauwarm. Am Freitag bleiben sämtliche Heizkörper in der ganzen Wohnung kalt. Der komplette Strang in dem sieben-geschossigen Wohnhaus in der Stralsunder Straße ist betroffen.

Regina Linke ist  froh darüber, dass sie am Wochenende arbeiten muss. „Zum Aufwärmen auf die Arbeit“, sagt sie. Lachen kann sie darüber nicht. Nach Feierabend geht sie dick angezogen unter die Bettdecke und hofft auf eine schnelle Reparatur. Vergeblich.

Am Montag kommt ein Ölradiator, immerhin. Trotzdem zehrt die Kälte in der Wohnung, an Nerven und Gesundheit. „Ich bin fertig, mir laufen nur noch die Tränen, sagt Regina Linke. Ihren Schnupfen wird sie nicht los. Dienstagabend funktionieren die Heizkörper in Küche und Schlafzimmer wieder. Doch das Wohnzimmer ist bis heute eine Kältekammer.

Körperpflege bei 16 Grad 

Und in der saß bis vor kurzem auch Regina Linkes Schwiegermutter. Helga Wilde ist seit 14 Jahren Mieterin im Kiez und auch sie kann ein Lied von der Heizungsanlage singen. Es ist ein Lied in Moll. „Mal geht die Heizung, dann wieder nicht.“ Und das seit Beginn der Heizperiode im Oktober. Der bisherige Höhepunkt Ende November: 18 Tage ohne Heizung im Badezimmer. Körperpflege bei 16 Grad Zimmertemperatur.

Drei Tage funktioniert die Heizung, dann wieder Totalausfall. Auf ihre Anrufe hin, werden die Mieter vertröstet. Die Deutsche Wohnen erklärt, es müssten erst Ersatzteile beschafft werden. „Wenn man sich beschwert, muss man sich noch Sprüche anhören“, sagt die 84-Jährige wütend.