„Ich lege fest, wann Familie Priorität hat“

Fühlt ihr euch gleichberechtigt? Könnt ihr sagen: Ja, ich mache das so, wie ich möchte?

Marcus: Gleichberechtigung drückt sich nicht darin aus, dass jeder abwechselnd durchsetzt, wie er es möchte. Es geht eher darum, dass jeder jederzeit die Möglichkeit hat, zu sagen, wie er es möchte. Die Grundlage ist, dass man das Gefühl hat, gehört und verstanden zu werden. Dann wird man immer eine gemeinsame Lösung finden.

Alexa: Sobald ich als Partner nicht die Freiheit habe zu sagen, dass ich es mir anders wünsche, entsteht ein immer größerer Berg von Missverständnissen, Wut und Schmerz. Der sich sofort auflösen würde, wenn man gehört wird.

Wenn beide ihren Job sehr mögen, wer tritt dann für die Familie kürzer? 

Alexa: Normalerweise entscheiden sich Mann und Frau gemeinsam für eine Familie. Also gehört auch dazu, dass sie miteinander herausfinden, wie sie es schaffen, dass beide arbeiten können. Und die Form, auf die sie sich dann schließlich einigen, sollte auch beiden entsprechen.

Bei vielen Paaren gibt es aber eher ein Fegefeuer der Eitelkeiten…

Alexa: Wenn ich mit jemandem mein Leben teile, dann kann ich nicht mein Ding durchziehen, ganz egal wie sich der andere dabei fühlt. In einer Gemeinschaft, die von Liebe gehalten ist, kann nicht gleichzeitig das Fegefeuer der Eitelkeiten wüten.

Marcus: Der andere kann nicht als der Schuldige dafür herhalten, dass die eigenen Wünsche nicht umzusetzen waren. Und es sollte keiner den Eindruck haben, er hätte den Kürzeren gezogen. Das ist eine Schwierigkeit, die jedes Paar lösen muss.

Familie, Arbeit, Partnerschaft zusammenzubringen, das scheitert doch oft schon am Zeitmanagement.

Marcus: Natürlich ist wenig Zeit. Gerade, wenn beide arbeiten. Aber das ist eine Tatsache. Über die kann man sich ärgern oder man schaut, was in der gemeinsamen Zeit möglich ist.

Unsere Kinder sind beispielsweise sehr unterschiedlich alt. Die Älteste ist 17, unsere Jüngste zehn Monate. Sie alle haben natürlich verschiedene Bedürfnisse, auf die wir alle eingehen wollen. Das gelingt uns nicht immer. Aber das heißt nicht, dass wir uns als Familie nicht verbunden fühlen.

Alexa: Trotzdem liegt die Entscheidung am Ende bei uns allen, wie viel Zeit wir mit unserer Familie verbringen wollen. Selbstverständlich kann ich nicht tagelang meine Arbeit liegen lassen. Dennoch lege ich fest, wann meine Familie Priorität hat. Das kann auch bedeuten, weniger Geld zur Verfügung zu haben oder nicht die Anerkennung von außen zu bekommen, die ich meine, so sehr zu brauchen.

Im Buch gibt es eine amüsante Episode über einen Tantra-Kurs, den ihr zusammen besucht habt. Wie schafft ihr es, als Eltern noch Paar zu bleiben?

Alexa: Marcus und ich empfinden uns eigentlich immer als Paar. Egal, ob wir an der Supermarktkasse stehen, den Geschirrspüler ausräumen oder zusammen besondere Momente mit den Kindern erleben. Schließlich haben wir als Eltern gemeinsam diese Familie, besprechen gemeinsam Dinge, suchen gemeinsam Lösungen. Es wäre ja schrecklich, wenn wir nur Paar sein könnten bei einem dieser altbekannten Wellness-Wochenenden.

Buchtipp: 
Alexa Hennig von Lange/Marcus JauerStresst ihr noch oder liebt ihr schon?Gütersloher Verlagshaus/Random House, 2016