Bei dem Wort Buchmesse denkt man sofort an Frankfurt oder Leipzig. Doch tatsächlich haben wir Berliner mittlerweile auch eine. Die „Buch Berlin“. Sie findet dieses Wochenende im Neuköllner Hotel Estrel statt. Der geräumige Veranstaltungsort ist der rasanten Entwicklung geschuldet. Denn die Messe gibt es zwar erst seit vier Jahren. Sie hat sich binnen der kurzen Zeit aber zur bundesweit drittgrößten Messe für Literatur entwickelt. Aus anfänglich 60 Ausstellern wurden rund 250.

„Gestartet haben wir vor vier Jahren im Audimax der HTW. Dort ist aber natürlich für so viele Verlage nicht ausreichend Platz“, erzählt Messeleiterin Steffi Bieber-Geske. Die 39-Jährige schreibt und verlegt selbst Kinderbücher. Und sie hat die Messe ins Leben gerufen. Aus Frust, wie sie sagt: „Ich war furchtbar frustriert von meiner eigenen ersten Erfahrung als Autorin in Leipzig. Als kleine Verlegerin kann man sich die hohen Standgebühren schwer leisten. Und dann hatte ich das Pech, neben einem riesigen Verlag zu stehen und wurde einfach übersehen.“

LGBT-Abteilung mit einer Ausstellung

So erklärt sich auch die Ausrichtung der Buch Berlin. Die rund 3 000 Titel, die es am Sonnabend und Sonntag zu entdecken gilt, stammen alle von unabhängigen Verlagen oder Selfpublishern – also Autoren, die selbst verlegen. „Das reicht von bekannteren Verlagen wie dem Kinderbuchverlag Tulipan und der Stiftung Warentest bis hin zu Anbietern, die man sonst selten im Handel findet“, so Bieber-Geske.

Auch genremäßig ist alles abgedeckt: vom Sachbuch – Kochen, Fitness et cetera – über den Krimi bis hin zum Fantasy-Roman ist alles dabei. Einen großen Bereich gibt’s auch für Kinderbücher, und auch die „Queer Books“ decken einen eigenen Bereich ab. Neben Büchern wartet in der LGBT-Abteilung auch eine Ausstellung auf das Publikum. Gezeigt werden Bilder des Berliner Künstlers Lars Deike, der unter anderem Akte von queeren Prominenten malt.

Stadtspiel mit Schnitzeljagd

Ebenfalls mit Nacktheit zu tun haben die Bücher aus dem Wannenbuchverlag. „Der Verlag macht Bücher für die Badewanne, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene“, sagt Messe-Chefin Steffi Bieber-Geske. Das Besondere ist nicht nur, dass diese Werke aus Gummi sind und das Vollbad-Lese-Problem somit einfach in Wasser auflösen. Sondern sie sind auch auf „Badedauer“ getrimmt. Bieber-Geske: „Die Lesezeit pro Stück beträgt zirka 15 Minuten.“ Zur Auswahl stehen Krimis, Humoristisches und Highlights wie „Badewannenyoga“ und „Goethe erotisch“.

Als weitere Schmankerl nennt die Messe-Chefin die Bücher des Wunderhaus Verlages und jene von Stadtspiel. „Wunderhaus macht ganz tolle Märchenbücher, für Kinder und Erwachsene – alte Märchen, von Grimm bis hin zu Andersen, neu und unglaublich toll illustriert.“ Bei Stadtspiel wiederum ist der Name Programm, im Angebot unter anderem: Schnitzeljagden für verschiedene Berliner Kieze (Prenzlauer Berg, Kreuzberg, Friedrichshain). Zur Erklärung für die Jugend von heute: Das ist dann wie Geocaching, aber echt ohne Handy.