Berlin - Das mit dem Haarausfall habe ich übrigens in den Griff bekommen. Während des Wahlkampfs hatte ich ja damit zu kämpfen, als ich an einem Plakat von Olaf Scholz vorbeiradelte. Der Kanzlerkandidat der SPD rief mir weiß auf rot zu: Perfekt für Dich. Logisch, dass Olaf Scholz damit nur seine Tonsur meinen konnte. Ich besann mich auf die Haare in meinem Kamm nach dem morgendlichen Duschen und forschte fortan fieberhaft im Netz. Die Selbstdiagnose war noch nicht ganz abgeschlossen, da fuhr ich erneut an Olaf Scholz vorbei. Diesmal las ich die Botschaft: Respekt für Dich. Seitdem ist klar, mein eigentliches Problem sitzt tiefer. Etwa eine Handbreit unter dem Haaransatz: die Augen. Und das, was sie an mein Gehirn melden. Oder vielmehr das, was das Gehirn daraus macht.

Ich ging zunächst wie gewohnt vom geringsten gesundheitlichen Übel und daher davon aus, dass ich an einer Depersonalisation leide. Ein Portal im Internet mit dem Untertitel „Ausgabe für medizinische Fachkreise“ führte mich zu diesem begründeten Anfangsverdacht. Der erhärtete sich durch Erinnerungen an meine Kindheit, als sich Eltern und Lehrer auf die Diagnose versteiften, ich stünde ständig neben mir.

Allerdings beschlich mich recht bald das Gefühl, die medizinischen Fachkreise könnten mit meiner Anwesenheit auf ihrer Fachkreisseite gerechnet haben. Jedenfalls nahmen sie mir die Gelegenheit, mich mit dem neuen Krankheitsbild anzufreunden. Sie wiesen darauf hin, dass zwar die Hälfte der Bevölkerung mindestens einmal im Leben die Erfahrung macht, von den eigenen Gedanken getrennt zu sein, es sich jedoch nur bei zwei Prozent tatsächlich um eine Krankheit handelt.

Psychologen: Andere auf Schreibfehler hinweisen, kann krankhaft sein

Dann eben nicht. Wer weiß, wozu es gut ist. Ein Befund, den man nur durch intensives Üben über die Lippen bringt, passt sowieso nicht zu mir. Erst recht nicht, wenn auch noch die Finger ihre selbigen im Spiel beziehungsweise auf der Tastatur haben. Dann sit es gnaz vrobie. Deprenasolitasion, wre slol dsa denn flehrfreie schrieben knönen! Aber im Rents – Ernst. Nicht zu früh lachen! Psychologen  haben herausgefunden, dass Menschen, die andere notorisch auf deren Schreibfehler hinweisen, oft eine Persönlichkeitsstörung haben.

Klingt auch sehr interessant, aber ich glaube, diese Art von Störung wäre nichts für mich. Dann doch lieber Haarausfall. Oder, Herr Scholz?