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Vor einer Inflation der Krankheitsdiagnosen warnt der international renommierte Psychiater Allen Frances.  Sein fundamentales Buch über Geschichte, Gegenwart und Zukunft, vor allem jedoch über die  Grenzen der Psychiatrie, ist ein eindrückliches Plädoyer für das Recht, normal zu sein.

Am 15. Mai werden Tausende als gesunde Menschen ins Bett gehen und am nächsten Morgen als psychisch Kranke erwachen. Dann erscheint die grundlegend überarbeitete Version des amerikanischen Klassifikationssystem DSM 5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders). Vor einer Inflation der Diagnosen in der Psychiatrie warnt deshalb der international renommierte Psychiater Allen Frances in „Was ist normal?“

1980 hielt man einen Mensch für normal, wenn er ein Jahr lang um einen nahen Angehörigen trauerte. 1994 empfahl man Psychiatern mindestens zwei Monate Trauerzeit abzuwarten, bevor man Traurigkeit, Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen und Apathie als behandlungsbedürftige Depression einstufte.

Ab Mai 2013 wird nun empfohlen, schon nach wenigen Wochen mit diesen Symptomen die Alarmglocken läuten zu lassen. Frances zeigt auf, welche brisanten Konsequenzen die Veröffentlichung haben wird: Alltägliche, zum Leben gehörende Sorgen und Seelenzustände werden als geistige Krankheiten neu-codiert. Nach diesem neuen Regelwerk wird es kaum jemandem möglich sein, sein Leben lang als geistig gesund zu gelten.

Die Zahl der diagnostizierten psychischen Erkrankungen nimmt seit Jahren stetig zu. Die Patientenzahlen für bipolare Störungen, für Autismus oder für ADHS steigen kontinuierlich.

Aber wir werden nicht immer kränker, sondern die Kategorien verschieben sich: nun gilt als krank, was früher noch normal war.

Dabei bestimmt das DSM maßgeblich, wer als geistig gestört gilt und wer nicht. Auch die Psychiater hierzulande stellen danach ihre Diagnosen, für jeden Psychologen ist es unabdingbares Arbeitsinstrument.

Fachkundig und verständlich schildert Allen Frances, was diese Änderungen bedeuten, wie es zu der überhandnehmenden Pathologisierung menschlicher Verhaltensweisen kommen konnte und welche Gegenmaßnahmen es gibt. Ein fundamentales Buch über Geschichte, Gegenwart und Zukunft psychiatrischer Diagnosen und ein eindrückliches Plädoyer für das Recht darauf, normal zu sein.

Vortrag und Gespräch | Deutschlandpremiere

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In Berlin präsentiert Allen Frances sein Buch „Normal“ am Dienstag, 16. April. Mit ihm diskutiert der Psychiater und Oberarzt an der Charité, Mazda Adli. Die Veranstaltung im Berliner Verlag (Karl-Liebknecht-Str. 29, am Alexanderplatz) beginnt um 19 Uhr; Einlass ist ab 18 Uhr.

Das Gespräch mit Allen Frances findet auf Englisch mit Übersetzung statt. Eintritt: 7 Euro, für Abonnenten 5 Euro.

Infos zu den Podiumsteilnehmern:

Allen Frances (Autor), ist emeritierter Professor für Psychiatrie und Verhaltensforschung und lehrte an der Duke University. Er ist einer der profiliertesten Psychiater weltweit. Als Co-Autor war er an der Entwicklung des psychiatrischen Standardwerks DSM 3 und DSM 4 maßgeblich beteiligt, die er mittlerweile selbst kritisch sieht.

»Allen Frances ist der einflussreichste Psychiater Amerikas.« THE NEW YORK TIMES

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PD Dr.med. Mazda Adli Oberarzt, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte. Nach dem Studium der Medizin begann Mazda Adli als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistenzarzt an der Klinik für Psychiatrie der Freien Universität Berlin. Seit 2005 ist er Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité am Campus Mitte uns leitet dort eine eigene Forschergruppe. Seine gesamte klinische und wissenschaftliche Tätigkeit widmete er der Entstehung und Behandlung von Stimmungsstörungen (Affektiven Erkrankungen). Dazu gehören stressassoziierte Symptome, die Depression und die manisch-depressiven Erkrankung. Einer der herausragenden Arbeitsschwerpunkte ist die Untersuchung von Einflussfaktoren auf die individuelle Stressreaktion

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Lilo Berg
(Moderation)
ist Wissenschaftsjournalistin
und Leitende Redakteurin
in der Berliner Zeitung.

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Infos auf einen Blick:

Deutschlandpremiere Buchvorstellung am 16. April
Vortrag und Gespräch im Großen Saal der Berliner Zeitung,
Karl, Liebknecht-Str. 29,.10178 Berlin
Einlass: 18 Uhr, Beginn: 19 Uhr
Eintritt: 7 €, ermäßigt für Abonnenten der Berliner Zeitung 5 €
Tel.: 030- 23 27 63 41
Mail:kundencenter@berliner-verlag.de

Wo tritt Allen Frances noch auf? Das können Sie hier nachlesen.