Berlin - Der Empfang war bereitet. An einer Ecke standen etwa drei Dutzend Protestierer und riefen „Rassismus ist überall“. An der anderen Ecke einzelne Herren, die Broschüren der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung Pax Europa“ verteilten. Dazwischen, die Polizei, die die Gemüter beruhigte.

Anlass für das Zusammentreffen war der Auftritt Heinz Buschkowskys. Der SPD-Bürgermeister von Neukölln stellte am Donnerstagabend in der Urania in Schöneberg sein Buch vor: „Neukölln ist überall“. Das Werk über eine verfehlte Integrationspolitik und wachsende Dominanz undemokratischer Kulturen im Bezirk polarisierte.

Allenfalls höflicher Applaus

Rund 800 Besucher füllten die Urania bis auf den letzten Platz. Sekundiert von der Buchautorin Güner Balci („Arabboy“), die wie er selbst in Neukölln aufgewachsen ist, machte sich Buschkowsky ans Werk. Wie ein Entertainer unterhielt er das Publikum, mal hier eine Anekdote, mal da ein Witzchen. Und das Publikum folgte ihm nach einem Muster: Langer Beifall, wenn er sagte: „Wem das Leben hier zu liberal und zu gottlos ist, dem sei viel Erfolg bei der Suche nach einem Ort gewünscht, der ihm genehm ist.“ Allenfalls höflicher Applaus, wenn er darauf verwies, dass die Gesellschaft auf Zuwanderung angewiesen ist.

Tatsächlich präsentierte sich Buschkowsky so gar nicht als Rassist, als den ihn etwa sein Amtskollege Franz Schulz aus Kreuzberg sieht, sondern als Vertreter einer sozialdemokratischen Aufsteigermentalität. Jeder wolle doch etwas machen aus seinem Leben, dabei sei Alimentierung durch den Staat hinderlich. Doch was ist, wenn in zehn Jahren die migrantisch-stämmigen Bewohner in Nord-Neukölln in der Mehrheit sind? Sein Ziel sei es, so Buschkowsky, dass „Neukölln auch dann nicht nur auf dem Atlas in Mitteleuropa liegt, sondern auch in den Köpfen und Herzen“.