Die Schlange ist lang. Hunderte Fans stehen da mit Büchern in der Hand. Als Bud Spencer den Kinosaal im Colosseum in Prenzlauer Berg betritt, jubeln und klatschen sie laut. Gespannt sind ihre Blicke auf den Mann, der sie vor vielen Jahren mit seinen Prügelkomödien zum Lachen brachte. Heute schafft er die Stufen zu seinem Autogrammtisch nur noch mit Hilfe hinauf. Bud Spencer dreht keine Filme mehr. Er hat ein Buch geschrieben: „In achtzig Jahren um die Welt“, Teil 2 seiner Autobiografie und das stellt er am Montag Abend im Colosseum vor.

Fans zeigen ihre Bud Spencer Tattoos und drängeln sich für ein Foto von ihrem Idol. Kurz danach lauschen sie dem philosophierenden Bud Spencer: „Ich esse also bin ich“, sagt er und vergleicht sich lachend mit dem Philosophen René Descartes. Er erzählt von Liebe, Kindern und gibt Tipps zum Spaghettikochen. „7 Minuten sind perfekt, nicht zu hart, nicht zu weich müssen sie sein.“

Pilotenschein, Olympische Spiele und Jura

Die Fans erfahren einiges über Spencers Leben. Dass er einen Pilotenschein besitzt zum Beispiel. Er war zweimal bei den Olympischen Spielen als Schwimmer und studierte Jura. Der Pilot und Alleskönner gesteht aber auch Schwächen: „Die einzigen Dinge, die ich nicht kann, sind Reiten und Ballett.“ Die Pferde würden sich bei seinem Anblick auf die Seite legen, sagt er. Das Publikum lacht.

Seinen Erfolg begründet Spencer mit seiner Gestik und Körpersprache. Stummfilme wie die von Charlie Chaplin seien seine Inspiration gewesen. „Ich stelle etwas dar, mit dem sich meine Fans identifizieren können. Wenn sie zum Beispiel lieber dem Chef eins auf den Kopf geben würden, als auf ihn zu hören.“ Doch dürfe man seinen Humor nicht zu ernst nehmen. Er hat sich angeblich noch nie geprügelt. Mit stürmischen Beifall wird er zum nächsten Termin entlassen: eine Fernsehaufzeichnung mit Thomas Gottschalk.

Doppelhändiger Schlag auf die Schädeldecke

Bud Spencer, der eigentlich Carlo Pedersoli heißt, hat sein Buch am Vormittag bereits schon einmal vor Journalisten im Hotel Regent am Gendarmenmarkt vorgestellt. Der Mann, der als Sidekick von Terence Hill das Genre des Italowestern ins Klamaukige gezogen („Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ usw.) und dem doppelhändigen Schlag auf die Schädeldecke zu Ruhm verholfen hat, präsentiert sich als interessierter, zugewandter, manchmal auch charmanter 82-Jähriger.

Er berichtet von seinem kongenialen Kollegen Terence Hill. Das sei ein toller, großzügiger Mensch und im Übrigen, anders als er selbst, ein richtiger, sogar ein hervorragender Schauspieler. Über sich selbst sagt Bud Spencer in einem interessanten Akt der Persönlichkeitsspaltung: „Herr Carlo Pedersoli ist kein Schauspieler. Er gibt den Schauspieler.“

Gefühlter 28-Jähriger

leich darauf ist er wieder nur noch eine Person und sagt, er fühle sich geistig wie ein 28-Jähriger – das ist in etwa das Alter, in dem er mit dem Leistungssport aufgehört hat. Das liege, wenn man den früheren Olympiaschwimmer da wirklich verstanden hat, am Kontakt zu den vielen jungen Menschen, den er bis heute pflege. Und überhaupt: „Früher mussten die jungen Leute von den alten lernen, wie man zu leben hat. Heute ist das umgekehrt“, sagt er und behauptet, das freue ihn.
Doch einen Tipp an die Nachgeborenen habe er sehr wohl: Alles sei toll mit den jungen Leuten, sie sollten nur die Finger lassen von Drogen und übermäßigem Alkoholkonsum. Und: „Passt auf die Schlaglöcher des Lebens auf!“

Schon der erste Teil des Buches war ein Bestseller. „Wir haben etwa 130 000 Exemplare verkauft. Das ist unglaublich, wir wären auch mit einem Bruchteil glücklich gewesen“, erzählt der Berliner Verleger Oliver Schwarzkopf. Damals war ihm das in Italien konzipierte und geschriebene Buch über Agenten angeboten worden, „und wir hatten schlaflose Nächte, bis klar war, dass wir den Zuschlag kriegen“, sagt Schwarzkopf. „Und da kannten wir Bud noch gar nicht und wussten nicht, wie er auftritt.“ Jetzt wissen sie es und wagen sich an Teil 2.