Ein Willkommensschild schmückt den Eingang: „Wat Thai Thaikulturzentrum“ heißt es in goldenen Buchstaben. In Pankow-Heinersdorf entsteht auf einem ehemaligen Industriegelände ein buddhistisches thailändisches Kulturzentrum. „Wir wollen die Kultur, Sprache und Schrift Thailands vermitteln“, sagt Klaus Becker vom Verein Thailändische Buddhisten in Berlin. Der Verein hat das rund 22 000 Quadratmeter große Areal vor fünf Jahren gekauft. Nun wollen die Mitglieder mit Hilfe von Spenden die Gebäude instand setzen. Seit der Wende lag die Fläche fast durchgehend brach.

Beckers Frau, Janchai Becker, ist eine von sieben Vorstandsmitgliedern, die sich um das Gemeindeleben kümmern. Mehrere hundert Besucher kommen etwa jährlich zum traditionellen thailändischen Jahreswechsel auf das Vereinsgelände. In Thailand finden dazu den ganzen Tag Wasserschlachten statt. Das Wasserfest ist nicht das einzige Fest, das in Heinersdorf gefeiert wird. Das ganze Jahr über finden buddhistische und thailändische Feiern, aber auch christliche wie Weihnachten statt.

Derzeit wird das historische Haupthaus saniert. Dort sollen die Nonnen und Mönche wohnen, Gäste untergebracht werden, ein Gebetsraum und Gruppenräume entstehen. Später soll auch ein Tempel auf dem Gelände errichtet werden. Es wäre dann nach Angaben Beckers der sechste buddhistische Tempel in Berlin. Der Verein ist ebenfalls einer unter vielen buddhistischen in Berlin, die sich oft nach Nationalitäten unterscheiden - neben thailändischen gibt es tibetische, chinesische, sri-lankische, deutsche. Eine Zusammenarbeit unter ihnen gibt es aber nicht: „Jeder kocht sein eigenes Süppchen“, sagt Klaus Becker.

Nonnen und Mönche bauen auch Gemüse an

Auf dem Gelände wohnen fünf Nonnen und drei Mönche. Sie meditieren und arbeiten auf dem Gelände, bauen Obst und Gemüse an und pflanzen Blumen. Einer ist Phramaha Anusak. Der 45-Jährige ließ sich in Bangkok zum Mönch ausbilden. Meist seien es aber Frauen, die im Tempel arbeiteten, sagt Janchai Becker. Für sie seien der Verein und die Räumlichkeiten eine zweite Heimat. Geboren ist sie in Thailand, 1987 kam sie nach Deutschland.

Auch einen Gebetsraum gibt es schon - zumindest einen provisorischen. Bis die Sanierung des Hauptgebäudes abgeschlossen ist, muss der goldene Buddha jedenfalls noch im Lager bleiben. 320 Kilogramm wiegt die goldene Statue.

Wann das Kulturzentrum fertig sein soll, weiß niemand. Das hänge von der Höhe der Spenden ab, sagt Klaus Becker. Allein das Grundstück habe schon eine Million Euro gekostet. Der Verein verkaufte sein altes Haus im Märkischen Viertel und zahlte mit dem Erlös schon ein Drittel des Preises an. 2017 solle alles abbezahlt sein. Eine thailändische Version des vietnamesischen „Dong Xuan Centers“ soll auf der Brache in Pankow-Heinersdorf aber nicht entstehen. „Bei uns soll es nur um Buddhismus und Kultur gehen“, so Becker.

Hinduistischer Tempel in Kreuzberg

Fast fertig ist hingegen der hinduistische Tempel in der Hasenheide in Neukölln. Wie der Buddhismus stammt auch der Hinduismus aus Indien. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass der Hinduismus eine Vielzahl an Göttern ehrt, der Buddhismus hingegen keinen allmächtigen Gott besitzt. Buddha ist lediglich der Religionsgründer und -führer. Das Ziel der Glaubensanhänger ist es, sich mit ethischem Verhalten und Meditation aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien.

In Berlin leben nach Schätzungen des Buddhistischen Dachverbandes mehr als 15 000 Buddhisten, bundesweit etwa 250 000. Rund die Hälfte von ihnen stammt aus asiatischen Ländern. (dpa)