"Buddy": Dieser irre Blick

Hier eine kurze Zusammenfassung des Kinojahrgangs 2013: Der Film des Jahres kommt erst noch! Er startet am 25. Dezember, wird für lange Schlangen an den Kinokassen sorgen und die magische Zahl von fünf Millionen Besuchern in kürzester Zeit erreichen und dann lässig übertreffen. Draußen vor dem Kino wird man die „Buddy“-Besucher nach dem Film an ihren feuchten Augen und glücklichen Gesichtern erkennen. „Buddy“ ist gleichzeitig ein ungewöhnlicher und typischer Film von Michael „Bully“ Herbig. Ungewöhnlich, weil er nicht den gewohnten, oft rustikalen Bully-Humor bedient. Typisch, weil man auch dieser romantischen Komödie anmerkt, dass sie mit dem unbedingten Willen (und Können) zur Perfektion gedreht wurde. Wer „Notting Hill“, den Goldstandard des Genres, mochte, der wird „Buddy“ lieben.

Ganz schön Angst

In der Geschichte über einen reichen Erben, der verrückt zu werden scheint, weil ihm plötzlich sein Schutzengel erscheint (den natürlich niemand sonst sehen kann), spielt Alexander Fehling („Goethe!“) seine erste Komödienhauptrolle: „Für mich war das ein Abenteuer. Ich hatte die ersten Drehtage ganz schön Angst.“ Die Konstellation, mit einem anderen Hauptdarsteller zu drehen, der gleichzeitig Regie führt, kannte er bis dahin nicht: „Sehr ungewöhnlich, wenn der Spielpartner plötzlich die Aufnahme abbricht und sagt: Mach das mal so und so.“

In Herbigs neuestem Film werden die Zuschauer wieder lachen, aber auch so manche Träne verdrücken. Bully musste dafür, wie er es selbst einschätzt, erst reifen: „Das hätte ich mich vor zehn Jahren nicht getraut, die Hosen emotional so runterzulassen.“ Er liebt besonders eine Szene, in der Fehling sich mit einem Psychiater im Restaurant trifft: „Ich hatte an diesem Tag Angst vor Alex. Dieser irre Blick. Er lief den ganzen Tag so rum.“ Ohne zu viel zu verraten: Es gibt eine große Flashmob-Szene mit 400 Komparsen. Herbig achtete als Regisseur auch darauf, dass die professionellen Tänzer nicht zu professionell tanzten: „Das sollte keine Bollywood- oder Musicalnummer werden, sondern ein Flashmob.“ Die Entscheidung für Hamburg als Drehort fiel Herbig nicht leicht. Seine Argumente gegen die wichtigsten Mitbewerber: „München wäre für diesen Film etwas zu provinziell. Ich darf das sagen, ich wohne genau deshalb dort. Und Berlin ist langsam abfotografiert.“

Eine kleine Produktion, die nur einen Bruchteil der „Buddy“-Zuschauer erreichen wird, feierte am Dienstagabend im Kino in den Hackeschen Höfen Premiere. In „Houston“ von Regisseur Bastian Günther hat Ulrich Tukur ein Problem: seine Alkoholsucht. Äußerlich funktioniert er noch gerade so. Der Regisseur schickt seine Hauptfigur auf eine Reise in ihre eigene Finsternis. Tukur darf viel schweigen.

„Das war die besondere Herausforderung bei diesem Film. So eine Figur, die leise kollabiert, wurde mir noch nie angeboten.“ Für manchen Betrachter mag der Film Längen haben: „Ich finde gut, wenn man mal ein Bild länger stehen lässt, in dem der Betrachter sich verlieren kann.“