Das börsennotierte Wohnungsunternehmen Vonovia hat nach Einwendungen der Anwohner seine Neubau-Pläne für den Reinickendorfer Ziekowkiez abgespeckt. Statt der zunächst geplanten bis zu 600 Wohnungen sollen bei einer Nachverdichtung rund um die Ziekowstraße nur noch rund 450 Wohnungen entstehen. Das ist das Ergebnis eines drei Jahre dauernden Beteiligungsverfahrens, in dem die Bewohner aus den bestehenden 1100 Wohnungen ihre Wünsche äußern konnten.

„Wir haben die Bedenken unserer Mieterinnen und Mieter gegen eine allzu dichte Bebauung aufgegriffen und die Anzahl der Neubauten reduziert“, sagte Projektleiter Henning Grote von der Vonovia-Tochter Buwog am Dienstag. Geändert hat sich nicht nur die Zahl der Wohneinheiten, sondern auch deren Lage. So entfallen viele geplante Lückenschließungen zwischen den Zeilenbauten aus den 1950er-Jahren, dafür entsteht eine höhere Anzahl an Wohnungen durch Dachgeschossausbau und Aufstockung. Grünflächen werden dadurch weniger stark bebaut als zunächst geplant.

Beim Baustoff setzt Vonovia auf Holz. Die neuen Wohnungen sollen entweder aus seriell gefertigten Holzmodulen oder in Hybrid-Bauweise aus Holz und Beton errichtet werden. Auf den Dächern sind Photovoltaikanlagen geplant, die Sonnenlicht in elektrischen Strom umwandeln. Neben den neuen Wohnungen ist eine Kita für rund 60 Kinder geplant. Hintergrund: Nach dem Bezug der Neubauten wird das Quartier laut Vonovia um 750 bis 1000 Menschen wachsen.

Rund 140 Sozialwohnungen sollen im Ziekowkiez entstehen

Rund 140 der neuen Wohnungen sollen mit Förderung des Landes als Sozialwohnungen entstehen – zu Anfangsmieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche, sagte Sandra Holborn, Regionalleiterin Berlin Nord bei Vonovia. Zu welcher Miete die übrigen Neubauwohnungen angeboten werden, lasse sich jetzt noch nicht sagen. Neben dem Neubau will der Bochumer Konzern seine 1100 Bestandswohnungen im Ziekowkiez modernisieren. Dabei sollen unter anderem die Fassaden gedämmt, neue Fenster eingebaut und die Warmwasseraufbereitung zentralisiert werden.

Nach einer Vereinbarung zwischen Vonovia und dem Bezirk sollen sich die Bestandsmieten nach Abschluss der Modernisierung um maximal 1,75 Euro pro Quadratmeter kalt erhöhen. Mieter, die die 1,75 Euro nicht aufbringen können, müssen nicht befürchten, ihre Wohnung zu verlieren. In diesen Fällen sollen individuelle Vereinbarungen gefunden werden. Weiterer Teil der Vereinbarung zwischen Vonovia und Bezirk ist, dass Mieterhöhungen für fünf Jahre nach der Modernisierung ausgeschlossen sind. Zum Vergleich: Zurzeit beläuft sich die durchschnittliche Miete im Ziekowkiez laut Vonovia auf 7,14 Euro je Quadratmeter kalt.

Das Bebauungsplanverfahren mit dem Bezirk sei „auf gutem Weg“, sagte Sandra Holborn von Vonovia. „Wir rechnen damit, dass im kommenden Jahr der neue Bebauungsplan beschlossen wird und wir 2024 mit Modernisierung und Neubau im Ziekowkiez beginnen können.“ Bis 2030 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.