Felix Höfner (40) hat es fast geschafft, der Eingang ist bereits in Sicht. Neben ihm thront ein hüfthohes Bild. Der Berliner Künstler hat sich früh zur Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank Unter den Linden aufgemacht. Eine kluge Wahl, denn jetzt, um Viertel nach zehn, wird die Schlange hinter ihm immer länger. „Ich habe mit dem Ansturm gerechnet und stehe hier seit halb acht. Es geht leider nur sehr langsam voran“, sagt er und pustet sich wärmend in die Hände. „Ich habe aber auch von Leuten gehört, die hier heute Nacht schon campiert haben.“ Ein paar Reihen weiter ist eine Kaffee- und Teestation aufgebaut, die Wartenden bekommen hier kostenlos Heißgetränke.

Der Grund für dieses Happening: Die Bank hat im Vorfeld der Eröffnung der „Deutsche Bank KunstHalle“ (vormals „Deutsche Guggenheim“) zum 18. April einen Künstleraufruf gestartet. Bis zum Sonntag jeweils in der Zeit von 10 bis 19 Uhr sind Kunstschaffende, ganz gleich ob professionell oder hobbymäßig, dazu aufgerufen, ihre Bilder, Fotografien oder Papierarbeiten einzureichen. Die Werke werden dann am Montag und Dienstag für 24 Stunden in der neuen „KunstHalle“ ausgestellt.

Neben der Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren, können die Teilnehmer jeweils einen Jury- und einen Publikumspreis gewinnen, darunter einen Atelierzuschuss für ein Jahr in Höhe von monatlich 500 Euro. „Wir sind überglücklich und freuen uns riesig über die Resonanz“, sagt Klaus Winker, Sprecher des Kreditinstituts erwartungsgemäß. „Und ich bin erstaunt über das hohe Niveau. Das zeigt einmal mehr, dass Berlin über ein großes internationales Kunstpotenzial verfügt.“

Die Schlange wird immer länger

Drinnen dann straffe Organisation: Jedes Werk muss erfasst werden. Zunächst füllen die Künstler einen Kontaktbogen aus, dann werden sie aufgerufen, ihre Werke an vier Countern anzumelden. Jedes Kunstwerk wird fotografiert und anschließend in das Atrium getragen. Dort liegen die Werke dicht an dicht nebeneinander. Der Platz ist begrenzt. „Doch wenn die Fläche voll ist, sagen wir nicht Stopp“, so Winker. „Wir haben hier knapp 280 Quadratmeter. Das reicht nicht für all die Arbeiten. Wir werden deshalb eine Zusatzausstellung Ende April machen. Im Rahmen eines Gallery Weekends zeigen wir dann sämtliche Werke.“ Das Verfahren für die Preise soll gleichbleiben.

Derweil wird die Schlange immer länger. Zeitweise reicht sie quer über den Bebelplatz bis zum Hotel de Rome. Auch der Neuseeländer Künstler Sam Melser (35) ist mit Freundin Nina Behrendt (30) und Hund Laszlo gekommen. „Ich habe aus der Zeitung von der Aktion erfahren, wir sind seit halb neun hier“, sagt Melser.

Zur Sicherheit haben sich die beiden einen Klappstuhl eingepackt. Im Fünf-Minuten-Takt geht es schrittweise weiter. Ein groß gewachsener Mann schaut prüfend um die Ecke Richtung Staatsoper. Ein Ende der Schlange ist nicht in Sicht. Dann ruft er begeistert: „Wahnsinn, dit ist Berlin!“