Wer gerade einen neuen Reisepass braucht und in Schöneberg wohnt, hat Glück. Im Bürgeramt Schöneberg gibt es für die kommende Woche nämlich noch einige Termine. In Mitte würde es immerhin Anfang August mit dem Antrag auf den neuen Pass klappen. In Steglitz-Zehlendorf könnte die Angelegenheit erst Mitte September bearbeitet werden. Und die Zahl der Bürgerämter, die man in Berlin noch spontan, ohne vorherige Terminvereinbarung aufsuchen kann, schrumpft ständig.

Charlottenburg-Wilmersdorf hat einen erst im Mai gestarteten, bürgerfreundlich gemeinten Modellversuch jetzt sogar vorzeitig eingestellt. Die Idee, ein spontan besuchbares Bürgeramt in einem Einkaufszentrum anzusiedeln, damit die unvermeidliche Wartezeit zumindest mit Erledigungen überbrückt werden kann, klang durchaus interessant. Sie hat aber nicht funktioniert, weil schon die Vergabe der Wartenummern lange Warteschlangen erzeugte.

Schwer erträglich

Der Grund: In Berlin hat sich so etwas wie ein Bürgeramts-Tourismus etabliert. Wer kurzfristig einen Pass braucht oder eine Ummeldung, der muss dafür schon mal von Pankow nach Zehlendorf reisen oder von Köpenick nach Charlottenburg. Weil er keinen langfristigen Termin vereinbart hat. Deswegen kommen die bürgerfreundlichsten Bürgerämter immer mehr unter Druck. Und dieser Druck entlädt sich immer öfter auch in Aggressionsausbrüchen derer, die nach langer Anreise nun noch unbotmäßig lange auf die Verwaltungsdienstleistungen warten müssen.

Das alles ist für die Wartenden genauso schwer erträglich, wie für die Mitarbeiter der unterbesetzten Bürgerämter. Und es ist vermeidbar. Mit einer besseren Koordination der Bezirke untereinander und einer angemessenen Personalausstattung durch den Senat.