Pünktlich zum Start des Dialogs mit den Bürgern hat der Architekt Hans Kollhoff neue Hochhaus-Pläne für den Alexanderplatz vorgestellt. Nach einer Überarbeitung seines Masterplans von 1993 sollen statt zehn Hochhäusern nun sogar elf Türme entstehen, erklärte Kollhoff am Dienstagabend vor gut 100 Besuchern des 1. Bürgerworkshops zum Alexanderplatz. Der Workshop ist Teil der Bürgerbeteiligung bei der Überarbeitung des Masterplans von 1993.

Das elfte Hochhaus soll an der Karl-Marx-Allee/Ecke Otto-Braun-Straße entstehen – neben dem zum Abriss vorgesehenen ehemaligen Haus der Statistik. Der Vorschlag kommt überraschend, weil bisher kein einziges der zehn geplanten 150 Meter hohen Turmhäuser realisiert wurde. Nur für zwei Hochhäuser gibt es zurzeit konkrete Pläne. Eines soll neben dem Elektronikmarkt Saturn entstehen, das zweite neben dem Einkaufszentrum Alexa.

Weil die Planung aus dem Jahr 1993, die weitgehend auf den Abriss von Gebäuden aus der DDR-Zeit setzte, bisher nicht realisiert wurde, sollte Kollhoff seinen Masterplan überarbeiten – und sich dabei stärker am Bestand orientieren. Das hat das Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen.

Nachdem im Juli das Haus des Berliner Verlags und das ehemalige Haus des Reisens unter Denkmalschutz gestellt worden waren, wurde zunächst erwartet, dass Kollhoff die Zahl der Türme reduziert. Doch das hat er nicht getan.

Stattdessen hat der Architekt einen abgewandelten Entwurf vorgelegt, nach dem die denkmalgeschützten Bauten durch Hochhäuser ergänzt werden. Der geplante Turm am Haus des Reisens soll nun hinter dem denkmalgeschützten Bau errichtet werden. Und das Hochhaus beim Berliner Verlag soll an jener Stelle gebaut werden, an der sich das ehemalige Pressecafé befindet. Dieses soll in den Turm integriert werden. Die charakteristische Werbe-Rotunde des Berliner Verlages soll dem Turm jedoch geopfert werden.

Erhalten bleibt das 128 Meter hohe Hotel Park Inn. Es kann sogar noch um einen Turm erweitert werden. Die Abrissbirne droht dagegen dem ehemaligen Haus der Elektroindustrie, dem Hofbräu und einem Haus mit 126 Wohnungen an der Memhardstraße/Ecke Karl-Liebknecht-Straße.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher äußerte sich zu den Ideen zurückhaltend. Über den Vorschlag, einen der 150-Meter-Türme hinter das ehemalige Haus des Reisens zu stellen, „kann man diskutieren“, sagte sie. Ein großes Problem habe sie aber mit der Hochhausplanung am Gebäude des Berliner Verlags. „Da ist die Lösung noch nicht gefunden“, stellte Lüscher fest. Kritisch sehe sie auch die Überlegungen zum Abriss des Wohnhauses.

Eine Frau im Publikum stellte Kollhoff die Frage, in welcher Zeit denn die Planung realisiert werden soll. Kollhoff antwortete zunächst ausweichend, ließ sich dann aber doch zu einer gewagten Prognose hinreißen: „Von den elf Hochhäusern werden zwei Drittel in fünf Jahren realisiert sein.“ Für viele Anwesende mag das wie eine Drohung geklungen haben. Auf etlichen Tafeln notierten die Bürger ihre Meinung: „Inakzeptable Hochhäuser“, „Berlin verbaut sich damit wieder ein Stück Identität“ und „Kollhoff-Plan zu den Akten legen“ stand da zu lesen.