Öffentlich diskutiert wird nicht nur über die Hochhäuser am Alexanderplatz, sondern seit dem Frühjahr auch über die angrenzende Fläche zwischen Fernsehturm und Spree. Mit einer Stadtdebatte will der Senat ergründen, ob die Berliner die Freiflächen behalten wollen – oder ob es eine Mehrheit für eine Bebauung gibt, die sich nach Vorstellung der Gesellschaft Historisches Berlin am Stadtgrundriss des 19. Jahrhunderts orientieren soll.

Über die Geschichte dieses Areals sowie über die Ideen der Architekten in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden die Bürger in der Stadtdebatte allerdings bisher nur oberflächlich informiert. Jetzt hat die Kunsthistorikerin Gabriele Dolff-Bonekämper ein Gutachten zu der Fußumbauung des Fernsehturms und der Freiraumgestaltung vorgelegt.

Es kann seit Dienstag auf der Internetseite der Hermann-Henselmann-Stiftung heruntergeladen werden. Dolff-Bonekämper gibt Antworten etwa auf die Frage, wie die DDR-Planer von einer anfangs ringförmigen Fußumbauung auf die gezackte Form gekommen sind. Sie spricht von „Zacken und Flügeln. Das war eine kreative Idee. Durch das dynamische Abknicken der Pavillons wurde ein respektvoller Abstand zur Marienkirche gehalten“, sagt sie bei der Vorstellung ihres Gutachtens.

Es droht eine "Ballermannisierung" des Stadtkerns

An dieser Form richten sich auch die anderen Elemente der Freifläche aus. So sind die Wasserspiele nicht rechtwinklig angeordnet, die Rosenbeete wurden als Dreiecke angelegt. „Diese symmetrische Anordnung ist eine Idee barocker Gartengestaltung“, sagt Dolff-Bonekämper. Die Achse reiche vom Fernsehturm über Neptunbrunnen bis zur Spree, wo weitere Wasserspiele vorgesehen waren, aber nie verwirklicht wurden. „Die Idee eines Freiraums ist ein hohes Gut. Das zuzubauen, halte ich für problematisch.“

Der Zeitpunkt, das Gutachten zu veröffentlichen, ist von der Hermann-Henselmann-Stiftung gut gewählt. Am Sonnabend findet das Halbzeitforum der Stadtdebatte statt (Berlin Congress Center, 14 bis 20 Uhr). Zuletzt hatte sich die Planungsgruppe Stadtkern für eine Bebauung stark gemacht und den Bürgerdialog als „enttäuschend“ kritisiert. Es werde bisher allein über den gegenwärtigen Bestand geredet, es drohe eine weitere „Ballermannisierung“ des Stadtkerns, heißt es.