Zu runden Geburtstagen gibt es große Geschenke. So ist es auch beim 40. Geburtstag von Marzahn. Wenige Tage nach dem offiziellen Festakt dürfen sich jetzt die Bürger etwas wünschen: Ab Montag können alle Bezirksbewohner im Internet über 282 Verbesserungsideen für Marzahn-Hellersdorf abstimmen – neue Parks, Spielplätze und Wege, mehr Brunnen, Radstreifen und Straßenlaternen. Alle Ideen stammen von Bürgern. Die Vorschläge, die bei der bis zum 1. Februar dauernden Abstimmung die meisten Stimmen bekommen, haben die größten Chancen, umgesetzt zu werden.

Gute Chancen dürfte etwa der Punkt „Springpfuhl und Springpfuhlpark aufwerten und beleben“ haben. Er ist mit geschätzten Kosten von 20.000 Euro ausgewiesen. Der Bürger, der die Idee in der Vorschlagsphase im vergangenen Herbst einbrachte, fordert: Abfallkörbe an allen Sitzbänken, häufigere Reinigung des Gewässers, Sicherung der Uferzone, Fütterungsverbot, freundlichere Hinweisschilder, bessere Beleuchtung. Der Park und das Gewässer seien schon viel zu lange „Müllschlucker“ gewesen, begründet der Mann seinen Vorstoß.

Wippen für Senioren

Ein zweiter Vorschlag, der hervorsticht, ist ein „Generationenspielplatz“ am Wilhelmplatz in Kaulsdorf, dessen Errichtung mit 18.600 Euro veranschlagt ist. Robuste Fitnessgeräte wie Beinwippe und Balancebalken sollen gerade den Senioren im Bezirk helfen, ihre Gesundheit zu erhalten. Passende Infotafeln könnten in einfachen Schritten erklären, wie man richtig trainiert. Solche Erwachsenen-Spielplätze unter freiem Himmel liegen voll im Trend, haben in Berlin aber noch Seltenheitswert.

Weitere spannende Vorschläge aus der 282-Punkte-Liste: Bau einer weiteren Schwimmhalle und eines Kletterfelsens, Sanierung der Wege am Schloss Biesdorf, neue Ampeln und Zebrastreifen an der Hönower Straße, Errichtung eines Hundespielplatzes am Schwabenplatz und Sanierung des Aussichtspunkts Biesdorfer Höhe. Man sieht sofort: An ungelösten Problemen, aber auch an Zukunftsideen fehlt es nicht.

Budget liegt bei 200.000 Euro

Der Haken an der Wunschliste: Am Ende kann nur eine begrenzte Auswahl an Vorschlägen mit besonders vielen Stimmen umgesetzt werden. Das Budget des sogenannten Bürgerhaushalts liegt bei insgesamt 200.000 Euro im Jahr.

Dass das ganze Konzept funktioniert, zeigen bereits umgesetzte Vorschläge aus dem vergangenen Bürgerhaushalt für die Jahre 2018 und 2019. Dazu gehören etwa die Sanierung der Wasserplansche auf dem Victor-Klemperer-Platz, die Neugestaltung des Schulhofs der Wilhelm-Busch-Grundschule und der Wiederaufbau des Naturschutzgebiets Hönower Weiherkette.

Abstimmen können alle Bürger von Marzahn-Hellersdorf auf der „Mischen Sie mit“-Website des Bezirks. Dort wird von diesem Montag an die komplette, aktuelle Ideenliste zu sehen sein. Bald könnte es sogar einen stadtweiten Bürgerhaushalt für ganz Berlin geben: Das hat der rot-rot-grüne Senat zumindest in Planung. Fachleute der Verwaltung treffen sich, wie man hört, schon mit Kollegen aus Paris und Helsinki, wo es bereits größer angelegte Bürgerhaushalte gibt. Paris lässt seine Bürger jährlich über 100 Millionen Euro entscheiden.