Berlin - Marzahn-Hellersdorf ist Berlins hundereichster Bezirk. Mehr als 10.000 Vierbeiner sind hier angemeldet. Doch lange gab es für sie nur in Alt-Biesdorf einen Auslaufplatz. André Kiebis wollte das nicht länger hinnehmen. Er beschloss 2013, sich nach einer geeigneten Fläche für den Auslauf seines Tieres umzuschauen. Kiebis hat einen Labrador. Drei Jahre später ist er nun am Ziel: Anfang Oktober veranstaltete der Verein „Helle Hunde“ auf seinem Platz in Hellersdorf einen Tag der offenen Tür. Rund 200 Hundebesitzer kamen.

Seit August hatten die rund 50 Vereinsmitglieder in vielen freiwilligen Arbeitsstunden den Platz hergerichtet. Die Folgen eines zehnjährigen Wildwuchses waren zu beseitigen: Bäume musste beschnitten, Gestrüpp und Schrott beseitigt werden. Vier Bereiche gibt es jetzt auf dem Platz, eine Hundeschule, einen Freilauf-, einen Wasser und einen Sportbereich. Eine Hundetrainerin wird künftig das Training der Welpen und die Ausbildung begleiten. Auch den Hundeführerschein werden die Herrchen und Frauchen erwerben können. Im Frühjahr sollen Trainingsgeräte gebaut werden.

Der SPD-Bezirksstadtrat war begeistert

Die Umsetzung seines Vorhabens hatte sich Kiebis leichter vorgestellt. Vor drei Jahren glaubte er zunächst, das geeignete Gelände für die Hunde in der Carola-Neher-Straße gefunden zu haben. Doch auf eine Anfrage beim Liegenschaftsfonds erhielt er eine enttäuschende Antwort: Das Grundstück war bereits verkauft. Der Systemadministrator, der einmal Zimmermann gelernt hatte, war aber beharrlich.

Ein knappes Jahr später wandte er sich an Stephan Richter, den SPD-Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Facility Management. Der war von der Idee eines Hundeauslaufplatzes sofort begeistert und kümmerte sich fortan um die Suche nach Brachflächen, die sich im Eigentum des Bezirks befinden. Neun Grundstücke konnte er André Kiebis vorschlagen. Favorit war ein 7500 Quadratmeter großes Gelände an der Weißenfelser Straße, weil es bereits von einem wenn auch etwas reparaturbedürftigen Zaun umschlossen war.

Anwohnerklagen befürchtet

Früher stand auf dem Gelände eine Kita. In den Planungen wird die Fläche offiziell für eine Schule freigehalten. Die soll aber in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht gebaut werden. Also wurde die Fläche an der Weißenfelser Straße ordnungsgemäß öffentlich ausgeschrieben. André Kiebis bewarb sich mit seinem Konzept. „Von diesem Moment an gab es viel Skepsis und Widerstand“, erinnert er sich.

Die Mitarbeiter des Bezirksamtes befürchteten, dass es Anwohnerklagen gegen den Platz geben werde. Gemeinsam mit dem Stadtrat habe er viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, bis das Bezirksamt im August endlich den Beschluss fasste, die Fläche an „Helle Hunde e.V.“ zu übergeben.

Aufgeben wird er nicht

Erst danach gründeten schließlich 25 Interessenten den Verein. Beim Gassi-Gehen hatte André Kiebis den anderen Hundebesitzern von seiner Idee erzählt und sie gefragt, ob sie mitmachen würden, und vor allem, ob sie mit anpacken würden, um den Platz wieder herzurichten.

Dem Vorhaben kam entgegen, dass der Senat im Zuge der Verschärfung des Hundegesetzes beschlossen hat, Bürgerinitiativen und Vereine zu unterstützen, die Auslaufflächen betreiben. Das sind jährlich 7500 Euro. Ein Dämpfer erhielt das Vorhaben allerdings, als bekannt wurde, dass das Gelände nicht über Wasser- und Stromanschlüsse verfügt.

Die Tiere müssen trinken, der Pool muss befüllt und im Winter muss der Platz beleuchtet werden. Wer übernimmt die nicht unerheblichen Kosten – das Bezirksamt oder der Verein?, lautete die Frage. Beantworten muss ihn jetzt ein neuer Stadtrat. „Wir müssen schauen“, sagt André Kiebis. Aufgeben wird er nicht.