Andreas Geisel (SPD) geht am Montagmorgen im Pankower Rathaus rasch durch das Spalier protestierender Anwohner aus Blankenfelde und Französisch-Buchholz. Der Stadtentwicklungssenator erträgt die lärmenden Trillerpfeifen, Plakate werden ihm entgegengehalten, auf denen etwa „Ackerland gehört in Bauernhand“ steht. Er nehme den Protest ernst, sagt Geisel später. Aber er lässt an seinem Vorhaben keinen Zweifel: Die 70 Hektar große Ackerfläche Elisabethaue im Pankower Norden wird bebaut – mit 3 000 bis 5 000 Wohnungen für bis zu 10 000 Menschen. Um das zu manifestieren, unterzeichnete der Senator mit den Wohnungsbaugesellschaften Gesobau und Howoge im Rathaus eine entsprechende Absichtserklärung.

Affront durch die Koalition

Die Anwohner im denkmalgeschützten Dorf Blankenfelde, das von weitläufigen Acker- und Wiesenflächen umgeben ist, sowie von Französisch-Buchholz haben sich in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Darunter sind Landwirte, Pferdehalter, Imker und Naturschützer. „Wir wollen, dass die landwirtschaftlichen Flächen erhalten bleiben“, sagt Sprecher Oskar Tschörner. Die Initiative fordert, die Ackerflächen ins Landschaftsschutzgebiet zu integrieren. Dass das Papier in Pankow unterzeichnet wird, empfinden sie als Affront. SPD und CDU hatten sich im Koalitionsvertrag dazu bekannt, landwirtschaftlich geprägte Landschaftsräume am Stadtrand zu erhalten.

Wie Geisel sagt, sei es keine Frage mehr, ob in der Elisabethaue gebaut wird, sondern nur noch wie. Er weiß, Bewohner in der Innenstadt wollen neue Wohnungen für die wachsende Stadt lieber am Stadtrand haben. Die Menschen dort fordern, die Innenstadt soll verdichtet werden. „Wir können nicht jeden Partikularinteressen an jeder Stelle nachgeben“, sagt der Senator. Gerade die landeseigenen Flächen wie die Elisabethaue hätten eine herausragende Bedeutung, um neue Wohnungen zu errichten und damit die Mietpreisentwicklung zu dämpfen. Geisel verspricht, das Gebiet werde sorgfältig und unter Einbeziehung der Menschen geplant.

Dafür gibt Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup die Marschroute vor: Eine „Gartenstadt des 21. Jahrhunderts“ solle entstehen. Was das heißt, bleibt aber schwammig. Die Erdgeschosswohnungen etwa sollen kleine Gärten erhalten. Ökologische Baumaterialien sollen eingesetzt werden. Eine Grundschule, Kitas, Spielplätze, Freizeiteinrichtungen und Grünflächen werden mitgeplant. Dazu werde nun ein Jahr lang ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeitet, in dem auch Belange der angrenzenden Ortsteile berücksichtigt werden, so Lütke Daldrup. Ab 2019 sollen die ersten Wohnungen gebaut werden. Die Investitionen werden auf eine Milliarde Euro geschätzt.

Zwar bezeichnet Pankows Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) die Elisabethaue als idealen Standort für eine Gartenstadt, unterzeichnet hat er die Erklärung aber nicht. Er wolle weiteren Streit mit dem Bezirksparlament vermeiden, sagt er. Grüne, CDU und Linkspartei hatten im Mai das Wohnungsbauprojekt abgelehnt. Das Bezirksamt vertritt eine andere Position. „Es ist ein Irrglaube, dass die Bebauung verhindert wird. Uns geht es darum, dass Wachstum nicht wuchert, sondern jetzt gestaltet wird“, so Köhne.