Es sollte ein ganz neuartiges Schulprojekt werden: In Wedding wollte ein Bündnis aus 40 verschiedenen Vereinen und Initiativen eine Sekundarschule gründen, an der möglichst alle Schüler den Abschluss schaffen und anschließend einen Beruf finden.

Das ist ein hehres Ziel, wenn man bedenkt, dass zwischen 17,5 und 31,5 Prozent aller Weddinger Schüler an ihrer Schule keinen Abschluss machen. Doch in monatelangen Verhandlungen mit Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) konnte keine Einigung über die Schulgründung erzielt werden.

Die beteiligten Gruppen – Deutsche, Türken, Araber, Afrikaner, Moscheevereine und Kirchengemeinden – gehören der Bürgerplattform Wedding/Moabit an. Sie haben gemeinsam mit dem Bildungsträger Pfefferwerk ein pädagogisches Konzept ausgearbeitet, Studenten der Beuth-Hochschule als Mathe-Nachhilfskräfte gewonnen und Spenden eingeworben.

Mit zwei 7. Klassen sollte es ab dem neuen Schuljahr losgehen. Ganz ohne Schulgeld. „Der Schutz des staatlichen Bildungsmonopols war der Schulverwaltung offenbar wichtiger als die Förderung der Kinder“, so das bittere Fazit von Barbara John, der Vorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. John war die erste Ausländerbeauftragte Berlins. „Das ist eine Bankrotterklärung.“

Reizthema Personalhoheit

Der Bildungsverwaltung erschien es unmöglich, dass Pfefferwerk als Träger der Bürgerschule bereits jetzt staatliche Zuschüsse erhält. Denn der Bildungsträger betreibt erst seit drei Jahren eine freie Sekundarschule, die Berlin Bilingual School. Um als bewährter Träger sofort staatliche Zuschüsse zu erhalten, hätte man noch ein weiteres Jahr abwarten müssen. Doch die Eltern und Initiativen wollten nicht länger warten. „Ich finde es ungerecht, was in diesem Stadtteil mit den Jugendlichen passiert, wir wollten ihnen eine bessere Perspektive geben“, sagte Selcuk Saydam vom Verein der Haci-Bayram-Moschee.

Schließlich verhandelte die Bürgerplattform mit der Bildungsverwaltung über ein ganz neues Modell: Die Bürgerschule sollte unter dem Dach der staatlichen Willy-Brandt-Sekundarschule ihr pädagogisches Konzept umsetzen dürfen. Doch von der angestrebten Kooperation auf Augenhöhe sei die Bürgerplattform schließlich zu einem externen Partner herabgestuft worden, sagt Maureen Mpieri, Pastorin der Weddinger Jesus Miracle Harvest Church.

Kern des Streits war offenkundig die Frage, ob die Plattform die Personalhoheit an der Schule haben würde oder nicht. „Für solch ein Projekt braucht man eine Neustart-Situation“, sagte Leo Penta, Professor für Gemeinwesenarbeit an der Katholischen Fachhochschule für Sozialarbeit und Plattform-Gründer. Offenbar befürchtete die Weddinger Initiative, dass einige Lehrer der staatlichen Schule das Projekt behindern oder ablehnen würden. Man wollte Lehrer einstellen können, die vom pädagogischen Konzept begeistert sind.

Man habe der Bürgerplattform einen Schulversuch angeboten, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Schulverwaltung. Die Personalhoheit könne eine staatliche Schule aber nicht aufgeben. Nun ist es unklar, ob die Bürgerschule je Realität wird. Man sucht weitere Spender.