Berlin - Drei Bürgervereine aus dem Umfeld der Tesla-Fabrik, die in der Nähe von Grünheide (Oder-Spree) gebaut wird, fordern in einem Offenen Brief die Auslegung von aktualisierten Antragsunterlagen.

In dem Brief heißt es, dass die Vereine vom Landesbüro der anerkannten Naturschutzverbände erfahren haben, dass es „ein neues, nicht öffentliches Konzept zur Niedrigwasserversickerung“ gebe. Weiter heißt es: „Dieses Konzept ist den Betroffenen nicht bekannt. Erneut werden Anwohner nicht informiert und am Verfahren nicht beteiligt. Dieses Vorgehen ist undemokratisch und juristisch bedenklich.“ Deshalb werde nun eine Neuauslage der aktualisierten Antragsunterlagen gefordert und „endlich eine echte Bürgerbeteiligung“.

Beim Tesla-Werk gibt es von Anfang an Streit ums Wasser

Ihre Forderung begründen die drei Vereine damit, dass sie Bürgerinnen und Bürger aus dem unmittelbaren Umfeld der Tesla-Fabrik verträten und dass viele Anwohner auch Hausbrunnen zur Trinkwasserversorgung nutzten und damit direkt betroffen wären, wenn sich der Grundwasserfluss verringere oder wenn Schadstoffe ins Grundwasser gelangten.

Foto: dpa/Ding Ting/XinHua
So sieht eine „Giga-Factory“ von innen aus. Hier die in Shanghai.

Der Streit um das Grundwasser ist ein zentraler Konfliktpunkt bei der weltweit vierten „Gigafactory“ des US-Elektroautobauers Tesla, die in Ostbrandenburg gebaut wird. Die neue Fabrik wird seit Monaten errichtet, obwohl noch keine abschließende Baugenehmigung vorliegt. Im Genehmigungsverfahren wurden auch die Bürger gehört. Viele von ihnen fürchten, dass die Fabrik, die zum Teil in einem Wasserschutzgebiet steht, auch die Wasserversorgung der Region beeinträchtigen könnte. 

Tesla sucht nach Mitarbeitern

Seit Wochen berichten Medien, dass der höchst verschwiegene Tesla-Konzern offenbar weiterhin Probleme habe, genügend Personal für die Fabrik in Grünheide zu akquirieren. Auch Führungskräfte seien für ein Gehalt von  geschätzten 300.000 Euro pro Jahr nicht so leicht zu finden.

Das Internetportal Business Insider berichtete am Montag, Tesla verwende auch sehr viel Energie darauf, „den eigenen Mitarbeitern möglichst feste, juristische Knebel anzulegen, damit diese nicht über Tesla-Interna mit Dritten oder in der Öffentlichkeit sprechen. Wenn diese es doch tun, drohen harte Vertragsstrafen“. Das Portal behauptet, dies würden  Arbeitsverträge von Tesla-Mitarbeitern aus Grünheide belegen, die Business Insider vorlägen.

Die Regelungen seien nicht illegal, aber unüblich, heißt es. Das Blatt schreibt über die befragten Mitarbeiter: „Sie dürfen keinerlei Auskunft über das Unternehmen gegenüber Dritten geben – selbst simpelste Fragen zum Arbeitsbeginn, ihrer genauen Abteilung oder der Dauer des Bewerbungsprozesses dürfen die Mitarbeiter nicht beantworten.“

Tesla plant, die Produktion im Juli 2021 zu beginnen. In der ersten Ausbaustufe der Fabrik soll das Model Y gebaut werden. Später soll das Model 3 folgen. Angeblich kostet der Bau etwas mehr als eine Milliarde Euro. Insgesamt ist von 12.000 Beschäftigten die Rede, die dann dort im Dreischichtbetrieb etwa 500.000 Fahrzeuge pro Jahr bauen sollen. Weitere Ausbaustufen sind geplant. Angeblich sollen bis zu zwei Millionen Autos in Grünheide gebaut werden.