Berlin - Bis vor kurzem sollte am Standort des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Denkmals vor dem Schloss noch das Freiheits- und Einheitsdenkmal entstehen. Doch wegen explodierender Kosten stoppte der Bundestags-Haushaltsausschuss die Pläne für die „Bundeswippe“, wie der preisgekrönte Entwurf für die riesige begehbare Waage spöttisch genannt wurde.

Jetzt gibt es, überraschend, neue Überlegungen für die Gestaltung rund um das künftige Schloss: Die Arbeitsgruppe Haushalt von Union und SPD im Bundestag will um den noch erhaltenen Sockel des früheren Nationaldenkmals die historischen Kolonnaden wieder aufbauen. 18,5 Millionen Euro sollen dafür bereitgestellt werden, schlagen sie in einem Antrag für den Bundestags-Haushaltsausschuss vor, der der Berliner Zeitung vorliegt.

Mit den Kolonnaden würde ein weiteres Stück Berlins aus Vorkriegszeiten in die historische Mitte zurückkehren. Das Schloss selbst ist dort das wichtigste Projekt. Es soll im Jahr 2019 als Humboldt Forum eröffnen. Der Vorstoß für den Wiederaufbau der Kolonnaden kommt durchaus unerwartet: Eine öffentliche Debatte hat es dazu bisher nicht gegeben.

Wie das Land auf das Angebot des Bundes reagiert, ist offen. Bereits vor einem Jahr hatte der Bundestags-Haushaltsausschuss Geld für die Verlagerung des Neptunbrunnens vom Platz vor dem Roten Rathaus an den historischen Standort auf dem alten Schlossplatz an der Breiten Straße bewilligt. Das „Geschenk“ wurde vom Land bisher jedoch nicht angenommen.

Bisher fand sich noch kein Geldgeber

Außer dem Schloss und den Kolonnaden soll auch die ehemalige Bauakademie rekonstruiert werden. Sie war 1836 nach Plänen des Architekten Karl Friedrich Schinkel errichtet worden. Das im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Gebäude musste Anfang der 1960er-Jahre dem neuen DDR-Außenministerium weichen. Nachdem das Ministerium in den 1990er-Jahren wieder abgerissen wurde, entstand die Idee, die Bauakademie zu rekonstruieren.

Bund und Land waren sich darin einig, doch fand sich bisher kein Geldgeber. Nun sollen für den Wiederaufbau der Bauakademie nach dem Willen der Haushälter von Union und SPD 62 Millionen Euro bereitgestellt werden. Die erste Million für Planungen soll 2017 fließen.

Die künftige Berliner Landesregierung aus SPD, Linken und Grünen trägt die Pläne des Bundes zur Rekonstruktion der Bauakademie mit. „Der Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie wird zügig angegangen“, heißt es in einem Papier aus den Koalitionsverhandlungen. Die Bauakademie solle „ein öffentlicher Ort der Lehre, Forschung, Präsentation und des Diskurses über die Zukunftsthemen der Städte und der Architektur“ werden.

„Es wäre schön, wenn der Denkmal-Sockel eine Fassung bekommt“

Das Land Berlin will für den Wiederaufbau das Grundstück einbringen, das sich im städtischen Besitz befindet. Der Bund soll die Baukosten übernehmen. Errichtet werden könnte die Bauakademie von der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss. Sie managt zurzeit den Wiederaufbau des Schlosses.

Der Berliner Bundestagsabgeordnete Swen Schulz (SPD) begrüßt die Pläne für die Bauakademie. „Das ist ein Bekenntnis des Bundes zur historischen Mitte“, sagte er vorbehaltlich der Zustimmung des Haushaltsausschusses. Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, zeigte sich ebenfalls zufrieden über die  Pläne zum Wiederaufbau der Kolonnaden: „Es wäre schön, wenn der Denkmal-Sockel eine Fassung bekommt, nachdem die Pläne für die Bundeswippe gekippt worden sind.“

Der Sockel, auf dem einst die neun Meter hohe Reiterstatue des Kaisers Wilhem I. stand, könne ja nicht allein stehen bleiben. An dem Standort ließe sich aber auch an die Deutsche Einheit erinnern, findet von Boddien. So seien innerhalb der Kolonnaden Ausstellungen denkbar.