Das geheime Zimmer in der U-Bahn.
Foto: Norbert Schmidt

BerlinEin Eck-Schreibtisch mit Computern und Drucker, Bücher und Stifte, eine Schreibtischlampe (angeschaltet!), ein Mini-Schränkchen mit Zimmerpflanze: Sicherheitsleute der BVG fanden in einem Tunnel der U9 jetzt einen komplett eingerichteten Büroraum. „Ich dachte, ich spinne“ – so formuliert es einer der Entdecker gegenüber der Berliner Zeitung. Schon 2016 bauten Aktionskünstler im Schacht ein Wohnzimmer. Erst eine Anfrage der Berliner Zeitung machte die BVG auf die neue Aktion aufmerksam. „Wir haben das Büro gesucht und gefunden“, sagt Sprecher Jannes Schwentu. „Wir lassen den Krempel jetzt wegräumen und erstatten Anzeige – schon deshalb, weil sich offenbar jemand in Bereichen bewegt hat, in denen er sich nicht hätte bewegen dürfen.“

Wie es die Künstlerinnen und Künstler erneut schaffen konnten, unentdeckt zu agieren? In den Schächten werde unregelmäßig kontrolliert, sagt ein Insider. Fakt ist: Das Büro müsse neu sein, „da es dort unten schnell staubig wird – auch weil der Raum unter einem Lüftungsgitter installiert wurde.“ Türen wurden laut Informationen dieser Zeitung nicht aufgebrochen – dafür zapften die Künstlerinnen und Künstler scheinbar Strom von einer Wasserpumpe ab, um die Schreibtischlampe zu betreiben. Zumindest könnten die Expertinnen und Experten der BVG dieses Mal wissen, wo sie nach den Besitzern der Möbel suchen müssen: Im Nachhinein bekannte sich 2016 die Künstlergruppe „Rocco und seine Brüder“ zu dem Untergrund-Kunstwerk.

Ein komplett eingerichtetes Büro - sogar mit Schreibtischlampe
Foto: Norbert Schmidt