So wirklich mit einem Erfolg gerechnet hatte die Initiative "100% Tempelhofer Feld" am 25. Mai 2014 nicht. Als beim Volksentscheid zum Erhalt des Tempelhofer Feldes im Frühling mehr als 700.000 Berliner gegen die Bebauung des ehemaligen Flughafens stimmten, war die Überraschung in der Initiative und in der Politik groß. Eine herbe Niederlage für den Berliner Senat, ein Riesenerfolg für die Feldliebhaber.

Nun hat die Initiative vom Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) Berlin in der Kategorie "Umweltengagement" den ersten Preis verliehen bekommen. Seit zehn Jahren vergibt die Naturschutzorganisation den Umweltpreis in drei Kategorien: "Umweltengagement", "Kinder und Jugend" sowie "Wirtschaft und Innovation". Insgesamt gingen rund 30 Bewerbungen bei der Jury aus Vertretern von WWF, der Deutschen Umwelthilfe und Vorsitzenden vom BUND Berlin ein, neun davon in der Kategorie "Umweltengagement".

"Einmalige Offenlandschaft"

"Die Initiative hat es geschafft, das Tempelhofer Feld, diese einmalige Offenlandschaft mitten in der Stadt zu erhalten. Ohne große finanzielle Unterstützung hat die Initiative auf Vernetzung unterschiedlichster Interessengruppen sowie die Aktivierung, Partizipation und Engagement der Bürgerinnen und Bürger gesetzt. Und haben damit den bisher erfolgreichsten Volksentscheid Berlins organisiert."

Sie haben aber "nicht nur ein Gesetz durchgesetzt, das als zentrale Ziele den Schutz von Natur- und Landschaft, des Stadtklimas, der geschichtlichen Bedeutung des Ortes sowie die Nutzung für Erholung, Freizeit und Sport hat, sondern auch die Tür für eine neue, bürgernahe, partizipatorische Stadtentwicklungspolitik aufgestoßen", heißt es in der Begründung der Jury.

Rund 400 Gäste waren am Mittwochabend ins Rote Rathaus geladen, der Noch-Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der eigentlich die Laudatio halten sollte, hatte kurzfristig abgesagt. "Auch Michael Müller war aus Zeitgründen nicht mehr für die Veranstaltung zu gewinnen", erklärte die Pressesprecherin vom BUND Berlin, Carmen Schultze.

Von der Initiative "100% Tempelhofer Feld" kamen rund 20 Mitglieder ins Rote Rathaus. "Wir sind schon davon ausgegangen, dass wir gute Chancen haben, den Preis zu gewinnen", sagt Michael Schneidewind vom Vorstand der Initiative selbstbewusst. Er selbst ist Mitglied im BUND und kennt den Preis schon lange.

Der mit 3000 Euro dotierte Preis soll übrigens nicht verfeiert werden. "Wir können das Geld gut gebrauchen", sagt Schneidewind. Die Initiative möchte es sinnvoll einsetzen: Für das Beteiligungsverfahren, an dem die Bürger Berlins über die Zukunft des Tempelhofer Feldes mitbestimmen können, wird unter anderem Geld für Materialien und Flyer benötigt.

In diesem Prozess können Bürger in den Entwicklungsplan eigene Ideen einbringen. Der Startschuss dazu fiel am 27. September, als es zu einem ersten Treffen kam. Michael Müller - noch Stadtentwicklungssenator und bald Regierender Bürgermeister von Berlin - hat sich dazu Tilmann Heuser ins Boot geholt. Der Landesgeschäftsführer vom BUND Berlin koordiniert den Beteiligungsprozess.