Fehlplanungen, teure Imagekampagnen und Staatsdiener, die mehr in die eigene Tasche wirtschaften als für die Allgemeinheit zu sorgen - der Bund der Steuerzahler listet in seinem am Mittwoch veröffentlichten "Schwarzbuch 2012" rund 100 Beispiele von „sorglosem Umgang mit dem Geld der Steuerzahler“ auf. Dabei stehen prominente Großprojekte wie die Verzögerungen beim Berliner Flughafen und die Insolvenz der Nürburgring GmbH, wo es um Millionen Euro geht, neben kleinen Streitfällen aus den Tiefen der Provinz. Peanuts gibt es für die Autoren nicht: "Jeder Euro Steuergeld muss zunächst durch uns verdient werden", heißt es im Geleitwort zu dem Bericht.

Politiker als "Versager" gebrandmarkt

Besonders hart geht der Bund der Steuerzahler mit den Verantwortlichen des Großflughafens Berlin-Brandenburg ins Gericht. Dem Aufsichtsrat wirft er "politisches Versagen" und "blindes Vertrauen" zum "überforderten Management" des Flughafens vor. Die Berliner Politiker, allen voran Klaus Wowereit, sind nicht die einzigen, die ihr Fett wegkriegen. Den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) fordert der Bund der Steuerzahler angesichts der Pleite am Nürburgring gar zum Rücktritt auf. Der „staatliche Vergnügungsbetrieb“ an der Rennstrecke komme den Steuerzahler teuer zu stehen, heißt es im Schwarzbuch Schuld an dem Debakel sei allein die Landesregierung, die „einen völlig überdimensionierten Freizeitpark in die spärlich besiedelte Landschaft gesetzt“ habe.

Nicht nur in Rheinland-Pfalz, Berklin und Brandenburg - in jedem Bundesland ist der Verein fündig geworden. Allein in Hessen finden sich sieben Beispiele.

Vor allem Verkehrspolitik ist insgesamt ein ertragreiches Feld für die Verschwendungskritiker - ein ganzes Kapitel des Buches ist ihr gewidmet. Da geht es um ein Radweg in Hannover, der, obwohl intakt, für 70.000 Euro zurückgebaut werden soll, weil er aus Sicht der Stadt nicht eine Tempo-30-Zone passt. Oder um eine neue Brücke auf der Insel Poel, die monatelang nicht genutzt werden konnte, weil sie ohne Anbindung geplant und gebaut worden war.

Spielgeräte, die die Kinder meiden

Einige Fälle muten durchaus skurril an. So zeigen die Autoren auf, wie aus den Bahnhofstoiletten im schleswig-holsteinischen Raisdorf, Gemeinde Schwentinental ein Euro-Grab wurde. Ein defekter Bewegungsmelder setzte dort die Spülung in Dauerbetrieb. Die Folge: 3,7 Millionen Liter Wasserverbrauch im Jahr 2010. Die Rechnung von 17.200 Euro statt der veranschlagten 300 bis 400 musste die Gemeinde zahlen. Die hatte nicht gemerkt, dass der Wasserverbrauch schon in den Vorjahren von 200.000 auf eine Million Liter angestiegen war.

Zum angeprangerten Verschwender-Kleinvieh gehören auch zwei Holzhunde aus Fulda. Dem Bericht zufolge wurden 2011 zwei der Tiere zu je 13.500 Euro als Spielgeräte aufgestellt. Doch die Kinder mieden die "kantigen Bellos", weil sie auf ihnen nicht schaukeln könnten. Nichtsdestotrotz habe die Stadt drei weitere Hunde gekauft, die im Frühjahr aufgestellt werden sollten.