BER.

BerlinDer Bund hat die Pläne für den Neubau des geplanten großen Regierungsterminals in Schönefeld offenbar vorerst gestoppt. Wie die RBB-Abendschau am Donnerstag aus Kreisen der Bundesregierung erfuhr, soll das 344-Millionen-Euro-Projekt bis mindestens 2030 nicht mehr weiterverfolgt werden.

Stattdessen wird die Flugbereitschaft der Bundesregierung spätestens mit Inbetriebnahme des BER Ende Oktober kommenden Jahres in das bereits fertiggestellte Regierungsterminal im westlichen Bereich des Schönefelders Flughafens umziehen. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup drängt darauf, dass der Umzug bereits Mitte kommenden Jahres vollzogen wird.

Die Entscheidung, die sich nun abzeichnet und dem Vernehmen nach noch nicht final ist, gilt als das Ergebnis eines längeren Abwägungsprozesses. Noch im März hatte der Bund signalisiert, dass er auf jeden Fall einen Neubau bevorzuge. Schon damals hatten Berlin und Brandenburg vorgeschlagen, auf dieses Vorhaben zu verzichten und das "Interimsterminal" im westlichen Bereich, das rund 70 Millionen Euro gekostet hatte, weiter zu nutzen. Im Herbst wurde dann bekannt, dass der Bund selbst den Weiterbetrieb prüfen lasse. 

Schlicht, aber funktional

Das im Oktober 2018 fertig gestellte "Interimsterminal"an der Ramp 1 war zunächst nur für eine Übergangszeit vom Bund bezogen vorgesehen. Nordöstlich davon, vor den Terminals D und D1 des heutigen Schönefelder Flughafens, sollte in den kommenden Jahren der endgültige Regierungsflughafen entstehen - als Baubeginn war 2022 im Gespräch. Dafür wurde eine große Fläche vor dem Empfangsgebäude des Flughafens reserviert.

Allerdings müsste  der Flugverkehr in SXF, der dem neuen Schönefelder Flughafens BER als Terminal T5 zusätzliche Kapazität verschaffen soll, eingeschränkt werden. Deshalb hatte Lütke Daldrup immer wieder vorgeschlagen, das "Interimsterminal" länger als geplant oder dauerhaft zu nutzen. 

Das von der Architektengemeinschaft Fehr geplante, von Züblin und Habau errichtete Bauwerk wurde nach 18 Monaten Baudauer im Zeit- und Kostenplan fertig gestellt. Von außen wirkt der 105 Meter lange, 22 Meter breite und zwei Stockwerke hohe Quader zwar relativ schlicht. Doch er erfüllt alle Anforderungen - auch an die Sicherheit der Regierungsmitglieder und Staatsgäste, die das Terminal nutzen sollen. Dafür hat der Bund 13 Millionen Euro beigesteuert.

Auf 2200 Quadratmeter Nutzfläche wird das Gebäude mehr Raum, bessere Anlagen und Technik bieten als der jetzige Regierungsflughafen in Tegel-Nord. Auch das Vorfeld bietet mehr Platz. In Tegel hat der Bund nur kleine Abstellflächen, meist überführt er seine Flugzeuge von Köln/Bonn dorthin.

Wenn das "Interimsterminal" länger in Betrieb bliebe, müsse wahrscheinlich der Vorfeldbereich für die Belange des Bundes erweitert werden, hieß es bei der Flughafengesellschaft FBB. Doch im Vergleich zu den Einschränkungen, die das bisher vorgesehene endgültige Terminal weiter östlich verursacht hätte, wären die Auswirkungen auf den übrigen Verkehr gering.