Jahrelang war es nur eine schöne Idee, jetzt soll sie schnell Realität werden. Nachdem der Bundestags-Haushaltsausschuss in der Nacht zum Freitag 62 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Bauakademie bewilligt hat, hofft das Land Berlin auf einen raschen Baubeginn.„Ich habe mich immer für einen zügigen Wiederaufbau eingesetzt“, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). „Dass es jetzt so zügig geht, finde ich großartig.“

Der Haushaltsausschuss hatte bei den Beratungen über den Bundeshaushalt  beschlossen, dass eine Million Euro für die Planung des Wiederaufbaus bereits im nächsten Jahr zur Verfügung gestellt werden. Wolfgang Schoele, Vorsitzender des Fördervereins Bauakademie, sagte am Freitag, er hoffe auf eine Fertigstellung des Schinkel-Baus bis  zum Frühjahr 2021. Grund: Am 13. März jährt sich der  Geburtstag des berühmten Baumeisters zum 240. Mal, die erste Eröffnung der Bauakademie liegt am 1. April 2021 genau 185 Jahre zurück.

Die Bauakademie war von 1832 bis 1836  nach Plänen Karl Friedrich Schinkels errichtet  worden. Sie galt als richtungsweisend für die moderne Architektur. Das im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Gebäude musste in den 1960er-Jahren dem Bau des DDR-Außenministeriums weichen. Nachdem das Ministerium von 1995 bis 1996 wieder abgerissen wurde, entstand die Idee, die Bauakademie zu rekonstruieren. Bund und Land waren sich in der Frage einig, doch fand sich bisher kein Geldgeber für ein tragfähiges Konzept. Ankündigungen für private Geldspenden in Millionenhöhe wurden zwar wohlwollend registriert, doch hätte mit diesen allein der Bau nicht finanziert werden können. Das jetzt festgelegte Budget gilt dagegen als realistisch.

„Berlin begrüßt die Entscheidung des Bundestags in dieser Sache“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Freitag.  Die Kulturmetropole bekomme mit der Bauakademie „ein weiteres Juwel in der historischen Mitte zurück, das mit Sicherheit zu einem Besuchermagneten  avancieren“ werde. Die Bauakademie müsse ein öffentlicher Ort bleiben, erklärte der Stadtentwicklungssenator.  „Schinkels Bauakademie ist der ideale Ort für Debatten über Architektur und Stadtentwicklung“, sagte Geisel zur künftigen Nutzung. Neben dem Förderverein Bauakademie begrüßte der Verein Internationale Bauakademie die Entscheidung zum Wiederaufbau. Beide Vereine hatten sich seit Jahren für die Rekonstruktion stark gemacht. Dass  der Wiederaufbau der Bauakademie zu weiteren Schäden an der nahe gelegenen Friedrichswerderschen Kirche führen könnte, befürchtet Wolfgang Schoele vom Förderverein nicht. Das Untergeschoss der Bauakademie werde nicht so tief ins Erdreich gebaut wie die Tiefgaragen der privaten Investoren neben der Kirche, sagte er. Außerdem habe die Kirche auch den Bau der Original-Akademie gut überstanden.

Bislang keine öffentliche Debatte

Während der Regierende Bürgermeister und der Stadtentwicklungssenator die Bereitstellung der Mittel für die Bauakademie lobten, hielten sie sich mit Äußerungen zu den ebenfalls vom Haushaltsausschuss zugesagten 18,5 Millionen für die Rekonstruktion der Kolonnaden an der Schlossfreiheit zurück. Hintergrund: Eine öffentliche Debatte über die Rekonstruktion der Kolonnaden hat es nicht gegeben. Schon vor einem Jahr hatte der Haushaltsausschuss zehn Millionen für die Versetzung des Neptunbrunnens auf den Schlossplatz zugesagt, ohne dass es dazu eine Festlegung Berlins gegeben hätte. 

CDU-Fraktionsvize Stefan Evers warf  SPD sowie Linken und Grünen  vor, zu  blockieren. „Die ausgestreckte Hand des Bundes zu ergreifen und die Umsetzung des  Neptunbrunnens an seinen ursprünglichen Standort zu ermöglichen, wäre der längst fällige Schritt“, sagte Evers.