Bei Beteiligten werden die Überlegungen noch streng vertraulich behandelt, doch sickerten am Mittwoch dennoch erste Informationen durch: Das Bundeskanzleramt im Regierungsviertel am Spreebogen soll einen Erweiterungsbau erhalten.

Das geht aus Informationen zum neuen Bundeshaushalt hervor, die der Berliner Zeitung vorliegen. Der Erweiterungsbau soll danach auf dem Grundstück an der Willy-Brandt-Straße entstehen, wo sich das im Jahr 2001 eröffnete Hauptgebäude des Kanzleramts befindet.

Neue Büros im Bundeskanzleramt

Ziel ist es den Angaben zufolge, die Nutzung externer Mietflächen im Dienstgebäude des Ministeriums für Bildung und Forschung am Kapelle-Ufer mittelfristig rückgängig zu machen. Außerdem soll dem gestiegenen und künftigen Personal- und Raumbedarf des Kanzleramtes Rechnung getragen werden, wie es in der Begründung heißt. Vorgesehen ist also ein Bürobau.

Für die Planung des Erweiterungsgebäudes sollen im Bundeshaushalt 2019 zehn Millionen Euro eingeplant werden. Wie groß der Neubau werden soll, geht aus den vorliegenden Informationen aber nicht hervor. Das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung konnte am Mittwoch keine Angaben zu Einzelheiten des Projekts machen. Die Berliner Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linke) sagte in einer ersten Stellungnahme: „Das ganze Projekt scheint mir etwas überdimensioniert.“ Dies sei umso verwunderlicher, weil sich „die Kanzlerin doch immer so bescheiden“ gebe.

Vor 17 Jahren wurde das Bundeskanzleramt eröffnet

Das Bundeskanzleramt im Spreebogen wurde nach einem Entwurf der Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank errichtet. Die Regierungszentrale besteht aus zwei langen Gebäudezeilen, die den 36 Meter hohen Leitungsbau in der Mitte umgeben. Im Leitungsbau befinden sich unter anderem das Büro der Kanzlerin und der Kabinettssaal, in dem die Bundesregierung immer mittwochs zu ihren Sitzungen zusammentritt.

In den langen Gebäudezeilen wechseln sich Wintergärten und die Büros der zirka 600 Mitarbeiter ab. Staatsgäste werden im Ehrenhof empfangen. Dort steht die 90 Tonnen schwere Plastik „Berlin“ des spanischen Künstlers Eduardo Chillida.

Vom Baubeginn im Jahr 1997 bis zur Eröffnung des Kanzleramts am 2. Mai 2001 dauerte es vier Jahre. Der Kanzler, der das Haus als erster nutzte, war Gerhard Schröder (SPD). Geplant worden war es jedoch noch unter Schröders Amtsvorgänger Helmut Kohl (CDU). Dieser erklärte nach einem internationalen Wettbewerb im Juni 1995, dass die Regierungszentrale nach dem Entwurf von Schultes und Frank gebaut werden soll. Schultes und Frank waren bereits zuvor beim städtebaulichen Wettbewerb für das Parlaments- und Regierungsviertel im Spreebogen im Jahr 1993 als Sieger hervorgegangen.

Bundeskanzleramt als städtebauliches Symbol für die Wiedervereinigung

Ihr preisgekrönter Entwurf sah vor, die Bauten für Parlament und Regierung in einem Band des Bundes zu errichten, das sich von Ost nach West quer durch den Spreebogen zieht. Mit dem Sprung über die ehemalige innerstädtische Grenze symbolisierte der Entwurf dabei städtebaulich die Wiedervereinigung der einst geteilten Stadt.

Neben dem Kanzleramt bilden heute das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Deutschen Bundestags das Band des Bundes. Das Bundesforum, ein von Schultes und Frank für die Bürger geplanter Ort zwischen Kanzleramt und Löbe-Haus wurde jedoch nie realisiert. Kurios: Jetzt gibt es zwar wieder Baupläne, doch wieder nicht für das Bundesforum.