Berlin - Dem Bundespräsidenten kommt als Staatsoberhaupt unseres Landes eine herausragende Bedeutung zu. Seine Aufgabe ist es, zu Gedenktagen Worte des Erinnerns zu finden, in der Not Trost zu spenden und Zuversicht zu verbreiten. So wie die Worte des Präsidenten wegen dessen geistig-moralischer Autorität besonderes Gewicht haben, so muss sich der ranghöchste Repräsentant des Staates aber zugleich gefallen lassen, dass an sein Handeln und das seiner Mitarbeiter höchste Ansprüche gestellt werden. Das gilt selbst für so vergleichsweise banal erscheinende Aufgaben wie die anstehende Sanierung des Schlosses Bellevue, das als Amtssitz des Präsidenten dient, und des Bundespräsidialamtes, in dem die Mitarbeiter des Staatsoberhaupts tätig sind.

Beide Domizile sind, wenn offizielle Angaben zutreffend sind, erneuerungsbedürftig. Das ist bedauerlich, kann aber passieren. Allerdings stellt sich schon die Frage, warum das zuletzt im Jahr 2004 und 2005 sanierte Schloss Bellevue schon wieder modernisiert werden muss – und warum das benachbarte Bürogebäude des Bundespräsidialamtes 23 Jahre nach seiner Eröffnung ein Sanierungsfall ist. Merkwürdig mutet vor allem an, dass die Gebäude so runtergerockt sein sollen, dass der Bundespräsident und die Beschäftigten ihre bisherigen Domizile für die Sanierung verlassen müssen – und dass für die Zwischen-Unterbringung ein Büroneubau errichtet werden soll, dessen Mietkosten auf 65 Millionen Euro beziffert werden.

Sicher: Nicht alle Bürobauten, die in den 90er-Jahren fertiggestellt wurden, sind in gutem Zustand. Dass die Beschäftigen während einer Sanierung komplett ausziehen müssen, ist aber die Ausnahme. Bevor Millionen für fragwürdige Baumaßnahmen ausgegeben werden, ist jetzt das Bundespräsidialamt am Zuge, seinen Bedarf nachvollziehbar zu erklären.