An dieser Klinik in Tempelhof kam es zu einer Massenschlägerei.
Foto: Eric Richard

BerlinInnerhalb von nur einer Woche hat die Polizei zu zwei Großeinsätzen in Krankenhäuser ausrücken müssen. Verfeindete kriminelle Banden, die teils dem Clan-Milieu zugerechnet werden, trugen ihre blutigen Auseinandersetzungen auch in den Fluren der Kliniken aus. Auch wenn die Polizei keine Einsatzzahlen nennt: Die Gewalt in den Spitalen ist ein zunehmendes Problem.

Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft bestätigt in einer Mitteilung, dass „immer mehr Krankenhäuser und Notaufnahmeeinrichtungen mit Sicherheitskräften aufrüsten“. Ein jetzt aufgetauchtes Video zeigt einen dieser Vorfälle von vergangener Woche im St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof. In einem Krankenzimmer der Klinik in der Wüsthoffstraße hatte aus bislang unbekannten Gründen ein Streit zwischen mehreren Männern begonnen, teilte die Polizei mit.

60 Polizisten im Einsatz, 3 Menschen verletzt

Die Auseinandersetzung verlagerte sich dann mit von beiden Seiten herbeigerufener Verstärkung im weiteren Verlauf auf die Straße vor die Klinik. Hier gingen dann bis zu 30 Personen aufeinander los. Die zu diesem Zeitpunkt bereits alarmierten Polizeikräfte versuchten zwar, die Situation zu entschärfen. Doch auf dem Video ist zu sehen, wie die rivalisierenden Banden die Polizei weitgehend ignorieren und der Streit immer weiter eskaliert. Erst mit massiver Verstärkung schafften es die Einsatzkräfte schließlich, die Lage in den Griff zu bekommen.

Nach Polizeiangaben waren dazu 60 Beamte des Abschnitts 44 sowie der 35. Einsatzhundertschaft nötig. Drei Menschen wurden verletzt, Festnahmen gab es keine. In der Nacht zu Dienstag, also nur wenige Tage später, dann der nächste Vorfall: Nach einer Messerstecherei in Kreuzberg kamen die beiden Kontrahenten mit Stichverletzungen in ein Krankenhaus.

„Situation in Krankenhäusern immer unentspannter“

Hier erschienen nach Polizeiangaben dann „nach und nach Angehörige und Bekannte der Verletzten“. Diese sollen teils hochgradig aggressiv gewesen sein. „Nur unter Hinzuziehung weiterer Einsatzkräfte konnten die Personen abgedrängt und die Arbeitsfähigkeit der Rettungsstelle gewährleistet werden“, so die Polizei weiter.

„Pöbelnde Patienten, aggressive Familienmitglieder oder betrunkene Stressmacher –  die Situationen in deutschen Krankenhäusern ist zunehmend unentspannter“, heißt es beim Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW). Deshalb würden „immer mehr Krankenhäuser und Notaufnahmeeinrichtungen mit Sicherheitskräften aufrüsten“.  

Ärzte und Pflegekräfter müssen beschützt werden

Dass „private Sicherheitskräfte Veranstaltungen, den Öffentlichen Personenverkehr, Einzelhändler, Universitäten, Schulen oder Jobcenter schützen, überrascht niemanden mehr. Dass leider aber auch immer häufiger Ärzte und Pflegekräfte beschützt werden müssen, ist ebenfalls traurige Realität geworden“, sagt Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des BDSW.

Auch die Charité beschäftigt inzwischen Securitypersonal: Die Kräfte der Charité CFM Facility Management GmbH  sorgten „durch Präsenz für Sicherheit“, heißt es in einer Selbstbeschreibung des Unternehmens.

Zudem gehe es auch um die „Gewährleistung des störungsfreien Ablaufes des Krankenhausbetriebes“. Das hauseigene Securitypersonal würde bei „rund 800 Ereignissen pro Jahr“ zum Einsatz kommen, „beispielsweise in Form von Alarminterventionen oder der Durchsetzung des Hausrechts“.

Klinikmitarbeiter würden es als entlastend empfinden

Nach Einschätzung der Berufsgenossenschaft für Gesundheit und Wohlfahrtspflege gibt es bei einem Einsatz privater Sicherheitsdienste in Krankenhäusern allerdings „einiges zu bedenken“. So könne „ein Sicherheitsdienst in Dienstkleidung“ unter Umständen negative Gefühle wecken, die „zum Teil erst recht Aggressionen auslösen“ könnten, so die Berufsgenossenschaft.

Zugleich könnte Sicherheitspersonal den Beschäftigten im Krankenhaus das Gefühl geben, beschützt zu sein. Auch manche Klinikmitarbeiter würden es als entlastend empfinden, „sich angesichts dieser Unterstützung wieder störungsfrei ihrer eigentlichen Tätigkeit widmen zu können“.

Soziale Kompetenz notwendig

Gerade in Einrichtungen des Gesundheitsdienstes sei es aber „wichtig, dass die dort eingesetzten Sicherheitskräfte bestimmte persönliche und soziale Kompetenzen“ mitbringen. Diese seien „nur zum Teil trainierbar“. So käme ein „reiner Türsteher, der sich nur durch eine stabile, muskulöse Statur, nicht aber die nötige Sozialkompetenz auszeichnet“, nicht infrage.

Der Sicherheitsdienst in Krankenhäusern müsse nach Ansicht der Berufsgenossenschaft daher in jedem Fall „einer gründlichen Personalauswahl unterzogen sein“.