Bundeswehrgelöbnis Berlin: Einmal am Reichstag, einmal im Bendlerblock

Berlin - Die Bundeswehr ist wieder unter sich: Das traditionelle Gelöbnis, das jedes Jahr am 20. Juli stattfindet, dem Jahrestag des Attentates auf Adolf Hitler, ist in diesem Jahr nicht vor dem Reichstag, sondern wieder im Bendlerblock an der Stauffenbergstraße in Tiergarten. 400 Rekruten aus sieben Bundesländern werden am kommenden Freitag auf dem dortigen Paradeplatz des Verteidigungsministeriums vor 2.000 Gästen geloben, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen".

Gekleidet mit dem großen Dienstanzug mit schwarzem Koppel und grauen Lederhandschuhen, im Volksmund auch Ausgehuniform genannt. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziére (CDU) wird die Soldaten begrüßen, bevor der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, die Festrede hält.

Seit 1999 hatte das Gelöbnis im Bendlerblock stattgefunden, seit 2008 dann nur noch vor dem Reichstag auf dem "Platz der Republik". Es wurde auf Initiative des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Jung (CDU) dorthin verlegt, um, wie es hieß, die Bedeutung der Bundeswehr für die Gesellschaft deutlicher hervorzuheben.

Sicherheitsaufwand für Gelöbnis vor Reichstag höher

Jetzt ist wieder alles anders. "Das Gelöbnis immer am 20. Juli vor dem Reichstagsgebäude stattfinden zu lassen, erschien dem Bundestagspräsidenten weder notwendig noch zweckmäßig", sagte ein Sprecher des Bundestages. Der CDU-Politiker Norbert Lammert hat das Hausrecht im Reichstagsgebäude. "Der historische Ort des 20. Juli ist der Bendlerblock", so der Sprecher. Außerdem sollten an dem öffentlichen Gelöbnis der Parlaments-Armee möglichst viele Parlamentarier teilnehmen. Die meisten von ihnen seien aber wegen der Sommerpause im Urlaub.

Deshalb habe sich der Bundestagspräsident mit Verteidigungsminister de Maizière auf eine neue Regelung geeinigt: Das öffentliche Gelöbnis soll künftig abwechselnd vor dem Reichstag und im Bendlerblock abgehalten werden. Für das Gelöbnis vor dem Reichstag soll außerdem ein Termin außerhalb der Sommerpause gefunden werden.

Möglicherweise spielt auch eine Rolle, dass der Sicherheitsaufwand für ein Gelöbnis vor dem Reichstag höher und damit teurer ist als für den Innenhof des Bendlerblocks. Im vergangenen Jahr wurden zum Schutz der Feier vor dem Reichstag 1.400 Beamte eingesetzt, so viele dürften in diesem Jahr nicht nötig sein. "Das Gelöbnis im Bendlerblock wird ohnehin von den Feldjägern bewacht", sagt Polizeisprecher Klaus Schubert. Berliner Polizisten müssten dann nur noch den Verkehr umleiten und außen Absperrungen gegen Störer errichten.

Zersetzende Kraft der Satire

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Versuche gegeben, das Zeremoniell zu stören. Kriegs- und Militärgegner hatten sich an Zäune gekettet und das Gelöbnis mit Alarmsirenen und Trillerpfeifen gestört. 1999 waren nackte Demonstranten über den Appellhofplatz gelaufen, damals wurden 60 Menschen festgenommen.

In diesem Jahr wurde noch keine Demonstration direkt vor dem Bendlerblock angemeldet. GelöbNIX, ein Zusammenschluss antimilitaristischer Vereine, will stattdessen am Freitag gegen 17 Uhr am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße protestieren. Gegen 20 Uhr soll dann die Bundeswehr bei einer Videokundgebung mit Filmen von Charlie Chaplin, Monty Python und Erich Mühsam am Heinrichplatz in Kreuzberg ausgelacht werden. "Wir vertrauen auf die zersetzende Kraft der Satire", sagt Frank Brendle von der deutschen Friedensgesellschaft, die die Kundgebung organisiert.