Der Tod einer elf Jahre alten Grundschülerin aus Reinickendorf hat eine bundesweite Debatte über Mobbing an Schulen ausgelöst. Elternvertreter hatten die Diskussion ins Rollen gebracht, sie erhoben massive Vorwürfe gegen die Schulleitung der Hausotter-Grundschule in Reinickendorf und sprachen von Mobbing. Und darüber, dass die Schulleitung zu wenig getan haben soll.

Dabei war am Montag noch unklar, ob die Elfjährige in jüngster Zeit tatsächlich Ziel von Schikanen ihrer Mitschüler war. Auch zur genauen Todesursache will die Staatsanwaltschaft noch keine genauen Angaben machen. Sie verweist auf die Ergebnisse der Obduktion, und die lägen erst Ende der Woche vor, teilte ein Sprecher der Berliner Zeitung mit.

Zusammenhang zwischen Todesfall und Mobbing weiterhin unklar

Am Montag haben sich die Schulleitung und einige Lehrer der Hausotter-Schule, die Schulaufsicht, die Schulpsychologin, die Beschwerdestelle der Senatsverwaltung sowie Bildungs-Staatssekretärin Sigrid Klebba zu einem Krisengespräch getroffen.

Man habe den aktuellen Kenntnisstand besprochen, sagte Thorsten Metter, Sprecher der Schulverwaltung, der Berliner Zeitung. Auch die Situation der Eltern sei Thema gewesen. „Die Schule hat engen Kontakt zu ihnen.“ Ob ein Zusammenhang zwischen dem Todesfall und Mobbing bestehe, „konnte nicht geklärt werden“, so Metter. „Eltern aus anderen Klassen sagen: Es gibt ein Mobbing-Problem.“ Das sei für die Verwaltung Grund genug, sich damit zu befassen.

„Wir nehmen das sehr ernst“, sagte Bildungs-Staatssekretärin Sigrid Klebba. Mobbing sei ein „echtes Problem“ an Schulen, „aber es ist aktuell für niemanden klar, welche Rolle es in diesem Fall gespielt hat“. Den Eltern, die öffentlich Mobbingvorwürfe erhoben haben, werde die Schulleitung ein gemeinsames Gespräch anbieten. Kurz nach Ende der Ferien in der kommenden Woche solle außerdem eine Gesamtelternvertretung einberufen werden, sagte Klebba.

Mobbing-Experte warnt vor vereinfachten Schlüssen

Dem RBB hatte Schulleiterin Daniela Walter gesagt, dass es im vergangenen Jahr in der Klasse des Mädchens Mobbing-Vorfälle gegeben habe. Die Elfjährige sei, ebenso wie andere Mädchen in der Klasse, gemobbt worden. Aber die Vorfälle lägen in der Vergangenheit und seien abgeschlossen. Die Intervention der Schule sei erfolgreich gewesen. Man habe sich mit Eltern, Schulsozialarbeitern, der Klassenlehrerin und den Mädchen zusammengesetzt und „Zielvereinbarungen getroffen“. Ein Teil der Mädchen habe die Schule verlassen, seither sei Ruhe eingekehrt. So bestätigen es auch Quellen der Berliner Zeitung.

Auch Mobbing-Experte Sebastian Wachs, Erziehungswissenschaftler an der Universität Potsdam, warnt bei diesem Fall vor vereinfachten Antworten und vorschnellen Schlüssen. Ein Selbstmord sei eine extreme Handlung – bei Erwachsenen wie auch bei Kindern. „Menschen begehen ihn nicht einfach so. Oft kommen verschiedene Faktoren zusammen, monokausale Erklärungen greifen zu kurz“, sagte er der Berliner Zeitung.

Mobbing rückt in den Fokus der Berliner Politik

Die Berliner Opposition forderte am Montag trotz vieler Unklarheiten bereits neue Maßnahmen gegen Mobbing: Die FDP will „dringend präventive Maßnahmen“ einführen, um Mobbing vorzubeugen. Paul Fresdorf, Bildungs-Experte der Partei, forderte den Senat dazu auf, eine „ressortübergreifende Strategie zu entwickeln“, um Mobbing zu unterbinden. „R2G muss alles daran setzen, dass Schulen keine Orte der Angst und Leid werden.“

Und auch die CDU hat bereits eine Anhörung zum Thema Mobbing im Bildungsausschuss beantragt. Man wolle weitere Hintergründe zu dem Fall erfahren und „die richtigen Schlussfolgerungen“ daraus ziehen, sagte Hildegard Bentele, bildungspolitische Sprecherin. Das Thema Mobbing schwele schon lange. „Schulen dürfen keine Angsträume sein“, so Bentele.

An der Hausotter-Grundschule wird nach Ende der Ferien am Montag erst einmal die Trauerarbeit im Vordergrund stehen. „Die Schule steht unter Schock“, sagte Staatssekretärin Sigrid Klebba. „Wir werden alles tun, um sie zu unterstützen.“ Dazu zählt zum Beispiel, dass die Schulverwaltung in der nächsten Woche mehrere Psychologen an die Schule schicken wird, um Schüler wie Lehrer zu betreuen.

Die Schulleitung teilte am Montag per Mail mit, dass sie außerdem einen Trauerraum einrichten werde, in dem „die Schulgemeinschaft ihre Anteilnahme zum Ausdruck bringen kann“ und der Toten respektvoll gedacht werden könne.