Die Hälfte aller Berliner Drittklässler hat gravierende Defizite bei der Rechtschreibung. Das zeigen die bundesweiten Vergleichstests für Drittklässler. Demnach bleibt jeder zweite Drittklässler in Berlin unter den Mindeststandards. Er kann also nicht richtig schreiben. Oft schreibt ein Drittklässler nur so, wie er hört. Anstatt „Stuhl“ heißt es dann „schtul“. In der Schule lernen die Schüler zunächst, nach Gehör zu schreiben.

An den sogenannten Vera-3-Tests hatten über 22.000 Berliner Grundschüler teilgenommen. Unter den Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache können sogar 64 Prozent nicht richtig schreiben. So ist es wenig verwunderlich, dass Neukölln und Mitte am schlechtesten dastehen.

„Die Werte sind seit Jahren schlecht, das bereitet uns große Sorge“, sagte der Neuköllner Bildungspolitiker Joschka Langenbrinck (SPD), der die detaillierten Ergebnisse auf eine parlamentarische Frage hin erhalten hatte. Der Arbeitskreis Bildung der SPD werde nun versuchen, die Ursachen für die miserablen Werte genau herauszuarbeiten. Offenbar hapere es trotz zusätzlicher Mittel schon bei der Sprachbildung in den Kitas.

Nicht wenig Grundschullehrer kritisieren auch selbst die Methodik, wie Schulanfänger derzeit das Schreiben lernen. Zu lange werde nur nach Gehör geschrieben, die Schreibschrift werde erst in der zweiten Klasse gelernt. Die Vera-3-Ergebnisse werden in den meisten Bundesländern gar nicht veröffentlicht, in Berlin und Brandenburg aber schon. Im Nachbarland schafften 42 Prozent der Drittklässler die Mindeststandards nicht. Die im Mai geschriebenen Vergleichstests prüfen immer die Standards, die ein Kind am Ende der Jahrgangsstufe 4 haben sollte. Deshalb sind die Kompetenzen besonders breit verteilt.

Tests auch in Mathe

In Berlin fällt auf, dass nur 28 Prozent der Drittklässler die Regelstandards der Rechtschreibung erreichen oder deutlich besser sind. Getestet wird bei den zentralen Vergleichstests in Deutsch das Lesen und abwechselnd Rechtschreibung, Sprachgebrauch und Verständnis.

In Mathematik sind es die Bereiche „Daten, Häufigkeit, Wahrscheinlichkeit“ und „Raum und Form“. Beim Lesen erreichen 26 Prozent der Drittklässler die Mindeststandards nicht, können also kaum lesen. Unter den Schülern nichtdeutscher Herkunft waren es 45 Prozent. Das ist sogar eine leichte Verbesserung. Bei „Daten und Wahrscheinlichkeit“ in Mathe erreichten 18 Prozent nur die unterste Stufe, bei „Raum und Form“ 24 Prozent.