Bungalowboot: Haus mit See

BRANDENBURG/HAVEL - Obwohl dieses Ferienhaus richtiggehend wackelt und schaukelt, wirkt das sehr beruhigend. Die Sonne scheint auf die Terrasse, sie spiegelt sich auf dem Wasser, im Schilf zwitschern Vögel. Man möchte seufzen vor lauter Zufriedenheit. Wie schön! Wie schön ruhig ist es doch an dieser Stelle der Havel, nur wenige Kilometer entfernt von der Stadt Brandenburg.

Das schaukelnde Ferienhaus ist ein schwimmendes Bungalow, ausgestattet mit allem, was man für einen etwas komfortableren Urlaub auf dem Wasser benötigt. Es gibt bequeme Betten, nicht nur harte Holzpritschen, dazu eine Einbauküche mit Kühlschrank und Spülbecken, eine Toilette und eine Dusche. Die Couch im Wohnzimmer lässt sich einfach zum Schlafsofa ausziehen und falls es mal etwas kühler wird, können die Bewohner in der Feuerschale auf der Terrasse Holzscheite anzünden und den Kamin heizen.

Bunbos – so nennt der Unternehmer Günter Großmann seine schwimmenden Ferienhäuser. Es ist die Abkürzung für Bungalowboot. Der 56-Jährige hat sie entworfen und konstruiert, die Boote sind seine Erfindung. Immerhin 75 Bunbos, mit Schlafplätzen für je zwei bis sechs Personen, hat der Geschäftsmann aus Aschaffenburg im Laufe der vergangenen vier Jahre in der Marina Brandenburg-Plaue gebaut. Man kann die Boote für ein langes Wochenende chartern, auch für eine oder mehrere Wochen.

Eines sollte den Hausboot-Gästen vorher klar sein: Es geht nicht um Geschwindigkeit, man braucht Zeit und Gelassenheit. Im gemächlichen Tempo von bis zu sieben Kilometern pro Stunde fahren die Boote in den Binnengewässern von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, sie passieren Schleusen, fahren über Seen, schmale Flüsse und breite Kanäle.

Wer in einem Bunbo reist, wird die Natur und die Ruhe auf dem Wasser mehr lieben als starke Motoren und hohes Tempo. Sonst könnte man ja gleich mit einer Yacht über den See rasen.

400 Liter Frischwasser an Bord

Zwischen 600 und 1 100 Euro kostet so eine einwöchige Tour, das hängt von der Saison und der Größe des Bootes ab: Die kleinen haben einen Schlafraum, die großen zwei. Ausleihstationen für Rundfahrten und One-Way-Touren befinden sich im Hauptsitz, in der Marina Brandenburg-Plaue, sowie in Neuruppin-Linow, Zehdenick (Obere Havel), Anklam (Peene) sowie in Friesland-Drachten (Holland).

Jedes Bunbo ist praktisch ausgestattet. 400 Liter Frischwasser sind an Bord, das Abwasser wird in einem Tank gesammelt, die Toilette spült mit Seewasser. Eine Solaranlage auf dem Dach versorgt das Boot mit Strom, ebenso ein Akku, der durch den Schiffsmotor aufgeladen wird. Die Leuchten haben Energiesparlampen.

Der Außenbordmotor dreht sich mit 20 PS. Diese Stärke ist nötig, denn so ein massives Holzhaus auf Aluminiumrümpfen wiegt bis zu sieben Tonnen. Vor dem Start müssten Nutzer ohne Bootsführerschein einen dreistündigen Lehrgang in Schifffahrtskunde und eine praktische Fahrschule absolvieren. Man kann das Prozedere verkürzen. Wer sich zuvor im Internet gut auf die Prüfungsfragen vorbereitet, kann gleich die Theorieprüfung absolvieren. Der erworbene Charterschein ist kein allgemeiner Bootsführerschein, er gilt nur für diese eine Fahrt.

Einfacher ist das Fahren mit Haus- und Bungalowbooten, die nur einen 5-PS-Motor haben. Diese Boote sind führerscheinfrei zu fahren. Doch solche Boote bietet Günter Großmann nicht an, höchstens als Beiboot im Schlepptau seiner Bunbos.

Seit 2006 baut er Boote nach seinen Vorstellungen. Damals hatte der gelernte Kaufmann seine Firma für Automobilteile verkauft, er wollte sich fortan mit Booten beschäftigen. „Bootfahren war schon immer mein Hobby“, sagt er. Sein erstes Modell nennt er Aquare, es ist ein nobler Luxuskahn mit Einbauküche und Fußbodenheizung. Eine riesige Couchgarnitur (man kennt das auf Yachten) und ein Flachbildfernseher an der Wand verschafft ein Hotelgefühl wie auf dem Festland.

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Doch Großmanns Idee ging nicht auf: Er fand nur schwer Käufer, die bereit waren, 400 000 Euro für das Luxus-Bungalowboot zu bezahlen. Großmann sagt: „Wer so viel Geld ausgeben will, kauft sich doch lieber eine vorzeigbare Yacht und kein Hausboot mit Feuerschale. „ Vier Modelle verkauft der Bootsbauer dann doch, im fünften wohnt er mit seine Frau Marta, wenn sie nach Plaue kommen.

Großmann entfernte sich vom Luxus und entwickelte 2009 eine einfacheres und praktischere Variante des Bunbos. „Es hat alles was man braucht, aber ohne Schnickschnack“, sagt Großmann. Er verzichtet auf Treppen und Kajüten, alle Räume sind auf einer Ebene, auch Rollstuhlfahrer können problemlos barrierefrei Urlaub auf dem Boot machen.

Zehn Meter lang ist das Häuschen und 4,60 Meter breit. Statt Verkleidungen aus Plastik verwendet Großmann skandinavisches Holz. Die Ausstattung stammt von Ikea. Das Charter-Geschäft läuft gut, die Boote sind begehrt. In diesem Jahr hat Großmann bei der Verleihung des Tourismuspreises Brandenburg den zweiten Platz belegt.

Wem es zu viel wird, dass das Bungalowboot tagsüber stundenlange schaukelt, rammt abends einfach die beiden Ankerpfähle in den Seeboden. Der Wind kann das Bunbo nun nicht drehen. Es liegt nun ganz ruhig. Ganz ohne Wackeln und ohne Schaukeln.

Land des Wasser: In Brandenburg gibt es mehr als 3 000 Seen und 33 000 Flusskilometer. In unserer Serie stellen wir die schönsten Reviere und die besten Bewegungsarten auf dem Wasser vor.